22 Jun
2010
Hidden Treasure

Vor dem Luftfahrtmuseum steht u.a. eine Pershing mit Ganzkörperkondom – Kunst nennt man das. Anders, aber auch künstlerisch ist das Werk der Familie Bodøgaard aus Bodø. Vater, Tochter und Sohn versuchen sich in allerlei Kunstform: Ölmalerei, Textildruck, Skulpturen. Und zusammen haben sie im Keller des Anwesens ein kleines Privatmuseum aufgebaut, das aber mehr den Eindruck eines Messi-Nestes erweckt. Der junge Herr B. sammelt hier alles, was man sammeln kann: Ikonen, Radios, Hobel, Socken, Nähmaschinen, Fernseher, Skier, ausgestopfte Tiere, Trachten, Blechdosen, Glühbirnen, Bojen… Nippes und Wertvolles.

Meine einzige Frage – denn Messitum und Sammelleidenschaften kann kein Betroffener plausibel erklären – wie hält er den Kram in 4 Räumen sauber?! Antwort, er wandert täglich mit dem Staubwedel durch sein Museum. Mittlerweile werfen ihn die Leute mit Objekten zu, einen Überblick hat er wohl kaum noch. Wer gern durch vollgepackte Räume mit Dings und Das aus verschiedenen Epochen stöbert, kann sich hier auslassen. Zum Verkauf steht nichts davon, soweit ich weiß.

Nach 4 Tagen Regen, Niesel, Nebel und grauem Himmel, habe ich in Bodø tatsächlich die Sonne gesehen – kurz. Dann waren die Wolken wieder davor. Aber trotzdem haben wir ein Taxi auf den Aussichtsberg der Stadt genommen und uns um Mitternacht die im Juni niemals untergehende Sonne (bzw. deren Schein) betrachtet. Eigentlich steht sie um diese Zeit aus diesem Blickwinkel zwischen den beiden Gipfeln der Insel Landegod – DAS Postkartenmotiv der Stadt. Mit Wetter davor sieht es natürlich um einiges eindrucksvoller aus – das Wort mystisch geisterte durch die kalte Luft.

Also Bodø war wirklich sehenswert und wetterfreundlich. Deshalb sind wir am letzten Vormittag noch ein Stückchen weiter gefahren, um uns auf der Halbinsel Kjerringøy eine alte Fischhandelsstation anzusehen. Das besondere daran ist die Tatsache, dass der Handel dort von einer Frau aufgebaut und geführt wurde. Das Gut, samt Krämerladen, Wohnhaus, Kafeteria, Museum und Fischerhüttchen ist zu besichtigen und mit dem vielen Gras auf den Dächern und der bemalten Tapete im Haus ein echtes Stück Kultur.

Mit etwas Sonne im Nacken sieht die Küste hier auch endlich aus wie in der Werbung: türkisfarbenes und blaues Wasser, rote Häuschen und saftgrüne Berghänge – Bilderbuchnorwegen! Auch wenn es der kälteste und verregneteste Sommer seit Norweger-Gedenken sein soll, man muss sich arrangieren. In Skihosen und Anorak geht das alles, Schal und Mütze sind unerlässlich!

Ich habe noch eine Buch-Empfehlung für Norwegen-Interessierte: „Gebrauchsanweisung für Norwegen“ ist ein famoser, selbstironischer Blick auf die Nachfahren der Wikinger, geschrieben von einer Halbnorwegerin, die es echt geschafft hat, mich mit einer Beschreibung von Ekelessen a la Wikinger zum Lachkrampf zu bringen. Leseprobe „Während man mit seinem Abendessen Blickkontakt hält, packt man den halben Kopf und beginnt, wie ein Internetkoch mit dem urnorwegischen Namen Knut Pettersen rät, mit den Ohren, denn „sie sind sehr fett und müssen daher heiß gegessen werden.“ Dann pult man das Fleisch vom Schädel. „Wer unerschrocken genug ist, das Auge zu essen, kann sich ein zusätzliches Erlebnis verschaffen, indem er es erst in etwas Aquavit mariniert: legen Sie das Auge ins Schnapsglas.“ [ ] Dazu klirren leise die Schafszähne auf dem Teller.“

Mahlzeit und Grüße bis bald – dann aus Schottland unter sicher vollkommen anderen Wetterbedingungen!
claudi

2 Kommentare

  • Claudi sagte am

    in ein paar Tagen, versprochen! Und ja, hab Bäume fliegen sehen und arme kleine Mädchen, die auf den Zehen rumgehüpft sind… in Sonnenschein bei 20°C! Great stuff!! :) )

  • Näd sagte am

    Schottland? Her damit!!!
    Ich hoffe, Du hast Dir Highland Games angesehen!

    LG
    Näd

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