Tribal Dance
Von den Königlichen zu den Völkischen. Und zu einem Festival männlichen Demonstrativverhaltens und weiblicher Eleganzversuche. Die Highland Games gehören zu Schottland wie Haggis, Whiskey und Nessi. Whiskey mag ich nicht so, Haggis hatte ich reichlich und am Loch mit dem nicht vorhandenen Urzeitvieh stand ich Jahre zuvor schon. Es fehlten also die Hochlandspiele, inklusive Baumstamm- werfen, Dudelsack-Umzügen, Tauziehen und Tanzwettbewerb.
So ein (ursprünglich) Clan-Treffen zum gemeinsamen Kräftemessen, findet zwischen Juni und August in fast jeder größeren schottischen Stadt statt. Wie der Zufall es will, spielt man im Aberdeenshire gerade an diesem Sonntag in Stonehaven. Dort also machen wir Halt und begucken in strahlendem Sonnenschein die Männer in den „nicht Röcke, das sind Kilts“ beim schwungvollen Sport mit schwerem Gerät. Die haben 15 Zentimeter lange Messerklingen in den Schuhspitzen, um sich in den Erdboden zu schaufeln, bevor sie wie ein Aufziehmännchen loskreiseln und Hammer oder Kugeln über den Sportplatz schleudern.


Auf gleicher Höhe hüpfen kleine und größere Mädchen in Schottenkaros und Balletschuhen auf einer Holzbühne wie echte Hochlandfrauen. Dazu dudelt ein armer Mann in Endlosschleife auf „Sackpfeifen“, denn im Tanzwettbewerb treten über den Tag verteilt Hunderte 6er-Gruppen gegeneinander an. Hin und wieder marschiert eine ganze Dudelsack-Band um den Platz und hinter einer Hecke ziehen sich zwei mal sechs Männer an einem Seil gegenseitig durch den Dreck. Am Rande gibt es Fressbuden, Kiltverkäufe und einen Bierstand.

Der Höhepunkt lockt um 16 Uhr alle Zuschauer ans große Grün, wo die zuvor schon mit Hammer- und Kugelwerfen verausgabten Männer in Kilts einen Baumstamm wählen dürfen, den sie dann abwechselnd so lange unter großem Publikums-Aah und –Oh ins Gelände werfen, bis der Baum exakt gerade nach vorn fällt. Letzteres finde ich persönlich schwer einzuschätzen, aber die haben da wohl ein echtes Auge für. Der diesjährige Gewinner war ein kanadischer Schotte bzw. ein schottischer Kanadier! Ich fands jedenfalls genauso faszinierend wie die anderen deutschen Touris, die dort herumstreunten.

Abschluss des Tagesprogramms war noch einmal eine Schlossruine an der Küste, ähnlich wieder Auftakt der Tour vor 3 Tagen. Das Dunnottar Castle ist ähnlich ruinös wie Slains, allerdings wesentlich besser besucht und aufgrund seiner Erscheinung auch das meistfotografierte in der Gegend. Mel Gibson verfilmte hier seinen Hamlet. In der realen Geschichte Schottlands spielte die Burg wohl auch eine Rolle. Für eine Weile waren hier die Kronjuwelen versteckt worden.
Und nun geht es nach Aberdeen!
Morgen gibt es noch einmal eine Stadttour für mich.
Tänzelnde Grüße
Claudi






Die witzigste Kathegorie, die ich bei den Highland Games gesehen habe war Fallschirm-Sprung: Wer genau auf der Whiskey-Flasche (das Ziel) landete, durfte den Inhalt austrinken.