Blue Railroad Train
oder: Wie ich mich auf eine Reise auf der Transsibirischen Eisenbahn vorbereite

In 7 Tagen geht es los, auf Zugreise! Ich als Bahnskeptiker und S-Bahn-Beschwerer habe eingewilligt, mehrere Tage lang in einem Zug zu verbringen – mit anderen Menschen an Bord. Eins von beiden macht mich meist unglücklich. Bahn-Mitfahrer sind mir suspekt, hauptsächlich weil sie schlimmere Ignoranten und Krawallmacher sind als Berliner. Das anstrengende am Bahnfahren fußt auf meinen DB-Erfahrungen (meist nur als Zug zum Flug), nach denen ich mich im Klimaanlagen-Wind verkühlte, von lesefreudigen großen Schwestern genervt und Leberwurst essenden Lehrerinnen geruchsbelästigt wurde. Dazu kamen Schaffner, die die Online-Reservierung nicht scannen konnten und ein stets überteuertes Bordbistro etc. Sagen wir mal so: in Deutschland hatte ich bisher wenig Grund für begeistertes Bahnfahren. In Japan war das was anderes.
Und genau deshalb wage ich es und setze mich wieder mehrere Tage in so ein eisernes Ross und lasse mich statt von den für ihre tugendhafte Pünktlichkeit und Akkuratesse verschrienen Deutschen von ein paar Chinesen, Mongolen und Russen durchs ferne Land chauffieren, die eher für Improvisationen und Verspätungen bekannt sind.
Der Mensch braucht Herausforderungen!
Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn hat nicht nur Klein-Claudi erträumt, als sie gerade so über die Modelleisenbahn-Platte von Papa gucken konnte. Im Russisch-Unterricht hat man von der Bahn zwischen Wladiwostok und Moskau gehört, das ist lange her. Die längste Bahnstrecke der Welt! Gebaut durch Permafrostboden und Sümpfe, durch leeres Land, die Wüste Gobi und Dschingis Khans große Steppe. Einmal im Leben diese Landschaften an sich vorüberziehen zu sehen und hin und wieder sogar aussteigen zu können, das ist der Traum von vielen, angeblich über 50-jährigen.
Tja, reife Reisewünsche bringen mich nun auf den Sonderzug der Transsib, den Zarengold-Express, der klassischerweise zwischen Moskau und Peking pendelt. Da ich pressereise, fahre ich nicht die komplette Strecke durch. Meine eine wird nach Peking geflogen, guckt sich dort in der verbotenen Stadt um und geht dann auf Bahnreise. In der Mongolei wird u.a. in einer Jurte übernachtet und einem Nationalfeiertag beigewohnt, bevor man uns über die Grenze nach Sibirien schickt! Der Baikalsee wird End- und Höhepunkt der eigentlich recht kurzen Zugstrecke sein. Der tiefste und wasserreichste See des Planeten, wann sieht man den schon! Habe tolle Bilder von diesem fernen See gesehen, und mich mal bös mit einem Redakteur gestritten, inwiefern das ein relevantes interessantes Reiseziel ist. Es ist!!!!

Vorbereitungen
Ich möchte allen, die nach mir dieses einmalige Erlebnis in die Tat umsetzen möchten, an dieser Stelle die wichtigsten Tipps für die Reisevorbereitung geben.
So etwas dauert ein paar Wochen und kostet Geld. Ich habe für 3 Visa 8 A4-Seiten Anträge ausgefüllt und die Kosten belaufen sich wie folgt: 49,- Mongolei, 72,- China, 49,- Russland. JEde Botschaft benötigt mindestens eine Woche pro Antrag.
Wer diese Reise individuell plant, sollte Russisch beherrschen. Dann bekommt man die Tickets für die Transsib in Moskau selbst zB wesentlich günstiger. Für die Einreise nach China, Russland und in die Mongolei muss man im Visumsantrag ein Hotel für die erste Nacht angeben (irgendein Hostel angeben, prüft keiner nach) und eine Auslands-Krankenversicherung nachweisen!
Eigentlich nicht notwendig. Tetanus und Polio sollte man sowie so haben, für die Mongolei soll’s wichtig sein. Mückenschutz gegen die üblichen Verdächtigen am See ist sicher angebracht. Sonnenschutz versteht sich von selbst.
Chinesisch mal eben auf die Schnelle? Eher nicht. Aber der Reiseveranstalter gibt ein dickes Kursbuch für die Reise heraus, in dem Kyrillisch und ein paar Brocken Russisch gelernt werden kann. Menja savut Claudi! Schreiben kann ich das auch
Genrell kommt man mit Euro wohl ganz gut durch Russland und die Mongolei. Hotels etc. nehmen Dollar und Euro. Auf Märkten kauft man jedoch in Landeswährung. Mongolische Tugrik kann man außerhalb der Mongolei nicht bekommen. Also tauschen vor Ort im Hotel. Chinesische Yuan kann man am Flughafen am Automaten ziehen und Rubel gibt es entweder im Hotel oder an einer Wechselstube Ihres Vertrauens. Von Travellercheques wird abgeraten in diesen menschenleeren Gegenden.
Wir kennen die Schwierigkeiten mit dem Internet in China. Ich werde sehen, ob ich überhaupt die Zeit für so etwa habe. Handyempfang soll man bis auf die Gobi und ganz unbesiedelte Gebiete fast überall haben. Allerdings: Internet, selbst via UMTS, kann man im Zug selbst nicht nutzen, solange er fährt. Ich gehe daher von einer sehr ruhigen Fahrt aus und wenig Kommunikation nach Außen. Für den Fotoapparat besitze ich mittlerweile 3 Akkus und Speicherplatz von 26 GB. Im Zug kann aber aufgeladen werden.
Ich habe schon in China gegessen, aber noch keine Pekingente. Freu mich darauf! In Sibirien wird man wohl vorrangig Mehlspeisen auftischen und am Baikalsee vermutlich Fisch, angeblich kann man das Wasser aus dem See trinken, weil es so sauber ist. Ein besonderes “Wässerchen” mit rotem Kaviar wird wohl im Luxuszug auch geboten. Im Zusammenhang mit mongolischen Essgewohnheiten habe ich von fettem Fettschwanzschaf, Kaschmirziege und Murmeltier gelesen. Und natürlich Airag, die vergorene Stutenmilch. Außerdem isst man in der Mongolei wohl täglich seine buuts, mit Hammelhack gefüllte Teigtaschen.
Und jetzt bleibt mir nur noch diesen dicken Reiseführer über die Transsib zu lesen und das Kursbuch zu studieren. Mit Lernidee geht man buchstäblich auf eine Studienreise und ich will noch viel lernen über das mongolische Nationalfest, Jurtenübernachtungen und was es eigentlich mit der ollen Zarenfamilie und Sibirien auf sich hat!
Am 6. Juli geht es los. Ich versuche Updates via Twitter oder Blog zu schalten. Spätestens ab dem 17. Juli habt ihr wieder Nachricht
Wan’an, bajartai & dosvidanja (Gute Nacht, bis bald & auf wiedersehen)
Claudi
Vielen Dank an Lernidee für die Unterstützung dieser Recherchereise
Stichworte: Asien, Baikalsee, China, Gobi, Mongolei, Sibirien, transsib, Transsibirische, Zugreise













Lieber andersreisender Gerhard,
Und ja, die Sache mit den Überschriften… ich betitele grundsätzlich in Musik-Titeln, daher der Koinzident mit dem afrikanischen Zug 
werde unbedingt deine Reiseerfahrungen lesen müssen! Wir haben ja doch verschiedene Strecken abgereist
LG und bis bald!
Claudi
Hey Näd, du weißt doch wie das ist mit dem reisen und heimkommen und ankommen und auspacken und Bilder sortieren… und dann ist der 23.! und sie hat noch immer nix aufm Papier. Ich eile, versprochen!
achja, es war The Long way round – herrliche Serie! Und ich musste nirgends mit einem LKW übergesetzt werdn 
LG Claudi
Hi Claudi,
ich bin stolz auf Dich: Du präsentierst uns eine Landkarte, auf der wir Dich verfolgen können!
Außerdem: Ich freue mich so auf diese Reise! Du wandelst teilweise auf den Spuren von Ewan McGregor in “A Long Way Down”.
A propos Schotte: In Schottland kann man super mit der Bahn fahren. Dort holen sich alle Einheimischen erst mal Pommes, wenn der Zug gestartet ist.
Viel Spaß mit dem “Schaf in der Milchkanne” und am Baikalsee.
Ich freu mich so für Dich! (Mache mir allerdings schon ein bisschen Sorgen, weil heute der 22. ist und wir noch nix von Dir gehört haben.)
LG
Näd
Hey! Transsibirische Eisenbahn! Eines meiner Lieblings-Reisethemen.
Vor genau zwei Jahren war ich am Weg nach Wladiwostok und habe mir von der Reise die Finger wund getippt. http://www.andersreisen.net/2010/08/05/reiseberichte-russland-2010-transsib/
Ich war nun nur etwas irritiert, als Du vom “Blue Train” geschrieben hast. Der führt ja eigentlich durch Afrika und nicht durch die Mongolei.
Ich wünsche Dir eine gute Reise und freu mich über einen spannenden Reisereport.
Uns fällt dazu das Loriot-Zitat “In Saarbrücken Hauptbahnhof kann mit Anschluss nicht gerechnet werden” ein. Gute Reise!
*Lach*, ich danke euch für die “Glückwünsche” und verspreche: wenn es Lebenwurst essende Lehrerinnen oder Murmeltier knabbernde Handwerker an Bord gibt, werde ich sie fotografieren!
Liebe Grüße und bis bald, Claudi
Ui, das klingt aufregend!! Wollte ich auch schon immer machen. Ob es ein Transsib-Equivalent zur Leberwurstbrot essenden Lehrerin gibt?
Hi Claudi,
auch wenn es noch ein paar Tage sind, wünsche ich dir jetzt schomal eine tolle Zeit und wenige nervige Mitfahrer
Das wird bestimmt ein einmaliges Erlebnis!
Bis bald!
Manuela
Woooow! Einfach nur toll und ich bin schon sooo gespannt, was du alles berichten wirst!
Irgendwie hat schon jeder von der Transsib gehört und nicht wenige wollen damit einmal fahren (mit mir eingeschlossen). Ich wünsche dir ein wunderschöne Reise und freue mich schon auf deine Bilder!
Liebe Grüße
Christina