Wie ich in zwei Tagen durch den Torres del Paine Park wirbelte
bereist am:
Ride The Wild Wind

Wie ich in zwei Tagen durch den Torres del Paine Park wirbelte

Torres del Paine

Windige Ecke, dieses Patagonien. An Bord der Navimag scherzte der eine Guide über den anderen, er würde so krumm gehen, weil er aus Patagonien stammt und die Leute sich dort permanent gegen den Wind stemmen müssen. Wind gibt es also. Die Wolken ziehen fast so schnell über die Berge wie unser Abholkommitee vom Hotel über die Straßen jagt. Camillo und Aldo legen allerdings auch Pausen ein, zum Beispiel, um ein Gürteltier zu verfolgen, den erhabenen Kondor nachzustarren oder die Guanakos vor dem fernen Torres-Massiv zu fotografieren. Der 2-Stundenweg von Natales in den Torres del Paine Nationalpark und dem Las Torres Hotel ist jedenfalls nicht langweilig und dauert daher auch 3 Stunden.


Mehr Fotos vom Torres del Paine Nationalpark

Las Torres Hotel

Leider hat uns die Navimag mehr Zeit gekostet, als geplant. Daher fehlt uns nun ein halber Tag im vielleicht schönsten und vor allem abwechslungsreichsten Park Patagoniens. Nicht dass wir längere Wanderungen geplant hätten. Aber so ist der erste Tag im Torres del Paine nur ein Abend, an dem wir uns über anfallende Parkgebühren wundern und die Pferde auf der Koppel vorm Hotel-Restaurant nur noch erahnen können. Was wir auch nur erahnen, ist das Ausflugsprogramm für den nächsten Tag. Das wird üblicherweise zwischen Guides und Gästen abgesprochen. Wir sind aber so spät dran, dass wir einfach beschließen, am nächsten Morgen auf der Matte zu stehen und irgendeinen Ausflug mitzumachen.

Windkarte

Sturm und Regen am Torres

Nachts reißt wider Erwarten der Wind das Hotel am Fuße der berühmten Blauen Berge (Paine ist himmelblau in der Sprache der Aonikenk) und ihrer Türme nicht weg. Am Parkeingang hing die Wetter- und Windvorhersage aus… sind 44 Km wirklich so stark? Das windige Wetter und ein paar Regenwolken bleiben für den einzigen Ausflugstag erhalten. Wir werden kurzfristig einer holländischen Reisegruppe zugeordnet, die zu einer blauen und einer seifigen Lagune gefahren wird.

Die Lagune ist dank dunkler Wolken nicht azul und wenig spektakulär. Aber auf dem Weg dahin springen uns die Guanakos in Herden vor die Linse. Auch Nandus picken sich in rauen Mengen durch das gelbgrasige Gelände. Pumas sind natürlich weder am Tag noch so weit unter im Gebirge unterwegs.

Nandu

Spuren von Waldbränden

Abgebrannte Baumstümpfe zeugen von einem schweren Waldbrand vor 6 Jahren. Die nachgewachsenen und verschonten Bäume gedeihen in faszinierenden, bizarren Formen. Haben etwas von Bonsais. Nicht alle färben sich, aber der einsetzende Herbst ist unverkennbar beim Anblick höherer Regionen. Vom letztjährigen Brand sehen wir nichts, der betraf einen anderen Teil des Parks. Da der Ausflug zum Lago Grey samt Gletscher in unserer Zeit im Hotel nicht auf dem Plan steht, kann ich leider keine Auskunft über den Stand dort geben.

Laguna Amarga

Dass die Seifenlagune (Laguna Amarga) voller grüner Bakterien ist, wissen wir nur vom Vorabend. Da gab es nämlich noch ausreichend Licht, um die Farbe des Sees erkennen zu lassen. Theoretisch leben hier zu bestimmten Jahreszeiten auch Flamingos. Tolle Farbkombi! Waren aber grad nicht da. Als es anfängt zu regnen, bleibt nur noch der Rückzug ins Hotel und das Betrachten der dunklen Wolken, die der Wind übers Massiv und um die Türme jagt. Immerhin sieht man beim Lunchen im Restaurant die Pferde der angeschlossenen Estancia grasen.

Laguna Amarga

Das Las Torres bietet übrigens Ausflüge hoch zu Ross an, bei denen man von den Gauchos in typischen Baskenmützen bis an den Fuß der Türme und einen türkisfarbenen See (Lago Nordenskjöld) geführt wird. Leider regnet es am Nachmittag zuviel für unseren Geschmack und außerdem sind die Rücken nach den Navimag-Kojen so geschunden, dass wir den Türmen nicht sonderlich näher kommen können. Aber am Kamin ist es eh gemütlicher.

Hotels und Missverständnisse

Schlecht geplant ist, wenn man vom Hotel in den Park geholt wird, aber meint, die Weiterreise allein bestreiten zu können. Ab Parkausgang wäre das auch kein Problem. Aber die Hoteleinladung endete mit Check-Out. Man wollte uns nicht die 20 Minuten bis zum Parkausgang und den dort startenden öffentlichen Bussen bringen. Zumindest nicht ohne ordentlich zu kassieren. Selbstverständlich bietet das 4-Sterne-Hotel einen Fahrservice bis nach Punta Arenas (5 h entfernt) an – für schlappe 350 Dollar! Aufgrund des Missverständnisses von Vorabend um die Parkgebühr waren wir übrigens fast geldlos und konnten gerade noch den Bus bis zum nächsten Automaten zahlen. Da kratzen auch 5 Euro Bustickets echt am Limit. Wir haben also den öffentlichen Bus zum Parkausgang genommen, gleich morgens um 9, wie vom Hotelpersonal empfohlen. Dass dann der nächste Bus in die Zivilisation erst um 14 Uhr dort startet, hatte natürlich niemand erwähnt.

Torres del Paine

Ausflugsprogramm bis zur Bushaltestelle

Das Gute an solchen Situationen ist, sie eröffnen neue Möglichkeiten. Während wir nämlich am Parkausgang hocken, bessert sich das Wetter in Windgeschwindigkeit zu einem sonnigen Tag im Park. Wir können Schwärme von Kondoren am Himmel schweben sehen. Der majestätische Anblick vergeht einem allerdings, wenn man so einen Geier mal von Nahem auf einen Fels trohnen sieht: ganz hässliche Vögel!

Kondor

Dann lieber die Guanakos, die immer so arglos doof gucken und eine Hasenschnute ziehen. Die 5 Stunden bis zur Weiterfahrt (10 Euro p.P.) vergingen also auch. Vor allem unfallfrei.

Guanakos

Unfall in Punta Arenas

Den Unfall habe ich dann abends um 10, nach weiteren 5 Stunden Busfahrt durch Steppe und Ödnis, in Punta Arenas nachgeholt. Dabei wollte ich doch nur über all das Neue in der Stadt staunen. So viel hat sich in den letzten 6 Jahren geändert, auch in Puerto Natales übrigens, in dem wir den Bus wechseln und ein paar Stunden verbringen mussten. Der Zipfel Chiles ist immer noch weniger besiedelt als der Rest, aber dass der Tourismus eine große Rolle spielt, ist nicht mehr zu übersehen. Der schwillt quasi an wie mein rechter Knöchel, mit dem ich von der Bordsteinkante gekippt bin. Autsch.

Pancakes kurz vor Feuerland

Auch meine Herberge von „damals“ hat zugenommen. Im Magallanes von Sebastian gibt es jetzt zwei weitere Zimmer. Und dieses Mal konnten wir zumindest für die leckeren Pfannkuchen zum Frühstück bleiben, die ein ziemlich großes männliches Hausmädchen zubereitet. Leider fehlte abermals Zeit, um mit dem Leipziger Auswanderer zu plaudern. Gemütlich war es, während der patagonische Wind am Haus zerrte. Wenn ihr mal in die südlichste Stadt Chiles kommt, dort könnt ihr übernachten!

Muss dann mal zur Startrampe, Mondflug startet gleich 🙂

Vielen Dank an das Las Torres Hotel und Turismo Chile für die Unterstützung dieser Recherchereise

Stichworte: , , , , , ,