Wie ich in Belfast den Stöpsel der Titanic zog
bereist am:
Trouble Every Day

Wie ich in Belfast den Stöpsel der Titanic zog

Eigentlich wollte ich diesen Roadtrip in etwas weniger Posts beschreiben, aber nun sind wir ja schon bei Teil 5 und ich habe sogar ein paar Sights auf unserem Weg aus der Berichterstattung rauslassen müssen! Aber ich muss unbedingt noch über Belfast berichten.

Die britischen Belfaster

Im ersten Moment mutet das Städtchen mit der Titanic-Werft eher britisch an. Wir sind ja auch in Britannien. Die Belfaster haben entweder immer noch nicht ganz ihr Bestehen als Punkt touristischen Interesses verkraftet oder sind wirklich unglaublich nette Zeitgenossen, die einen jeden Besucher freundlich fragen, wo er herkommt und ob und wie ihm Belfast und Nordirland gefallen und hinten dran gibt es noch Empfehlungen (z.B., dass man den Giants Causeway und das Titanic-Museum sehen muss).

Im Rathaus zu Belfast

Wir haben zunächst eine kleine Ausstellung zur Stadtgeschichte im Rathaus unter die Lupe genommen und durch die tollen bleiverglasten Fenster geguckt – mit Titanic, Hungersnot und Troubles als Thema. Draußen regnete es sich ein, daher musste die Zeit sinnvoll in Räumlichkeiten verteilt werden. Wir wählten das Tourist Office 😀 Immer schön, wenn man wissen will, wo man ist und vor allem, gleich mal Souvenirs geshoppt!

Glasfenster im Rathaus von Belfast

Glasfenster im Rathaus von Belfast

Souvenirs im Regen

In Irland könnte selbst ich in einen Souvenir-Rausch verfallen. Überall Guinness-Merchandise und ich mag den Werbe-Tukan so (das Bier ja gar nicht). Es gibt alles mit Tukan! T-Shirt, Tasche, Bierglas, Mug, Weihnachtskugeln, Salz/Pfeffer-Streuer, Handtücher, Golfbälle, Untersetzer, Unterhosen, Poster (hab ich schon lange), nur keine Plüschfiguren! Warum eigentlich nicht?! Naja, ich habe ein T-Shirt erstanden – das geht noch in die Gepäckbestimmungen von Aer Lingus 😉 Außerdem ist ja Titanic-Jahr in Belfast –„Als sie hier auslief, war sie noch ok“ ist das offizielle und Als Trademark registrierte Motto! Also, die Titanic habe ich jetzt auch in meinem Bad. Die geht alltäglich unter im Schaumbad und hängt ordnungsgemäß backbord – also in dem Zustand, den sie nach Auslaufen in Belfast eingenommen hatte.

Weihnachtskugeln mit Guiness-Werbung

Weihnachtskugeln mit Guiness-Werbung

Stadtrundfahrt durch Belfast in der Titanic zur Titanic

Nach diesem Anfall von Shopping haben wir für eine Stadtrundfahrt im Titanic-Bus angeheuert. Bei Regen genau richtig, trotzdem hat der Chauffeur gefragt, ob er oben mal eben die Sitze trocken wischen soll. Irischer Humor! Wir haben uns also die Stadt aus dem Bullauge betrachtet. Was da nun genau im Titanic-Museum ist, konnte uns der Guide an Bord des Buses nicht sagen, aber Samson und Goliath – die großen Schiffskräne gegenüber – konnte er uns bestens als Sehenswürdigkeit verkaufen. Das alte Dock und das Pump House, in dem die Titanic entworfen und aus all ihren Einzelteilen zusammengesetzt wurde, kann ebenfalls besichtigt werden. Baupläne und Fotos hängen im Pump House, das Dock ist im Regen nicht so ansehnlich. Zumindest kommt bei mir da kein Kreuzfahrtfeeling auf.

Titanic Museum in Belfast

Titanic Museum in Belfast

Titanic Bus Tour durch Belfast

Titanic Bus Tour durch Belfast

Murals an der Mauer von Belfast

Viel spannender fand ich die vielen Backsteinmauern – in allen Farben, teilweise auch angemalt! Professionell angemalt – kein Graffiti. Wandmalereien scheinen das letzte legitime Mittel zur Meinungsäußerung zu sein, wenn alles andere schief gegangen ist, s. Berliner Mauer, s. Belfaster Mauer. In Belfast nennen sie ihre übrigens immer noch existierende und daher länger bestehende Mauer, samt dicken Stacheldraht! – die Friedenslinie. Katholiken und Protestanten haben hier ihre Quartiere ordentlich sauber voneinander getrennt. Während der Troubles – Nordirlandkonflikt, Terror, IRA – wurden die Tore in der Mauer täglich geöffnet und geschlossen. Einige werden heute noch um 18 Uhr geschlossen.

Peace Line durch Belfast

Peace Line durch Belfast

Murals an der Peace Line

Dann muss man wissen, ob man zur Fall Street gehört oder zur Shankill Road! Wir haben uns sowohl mit dem Bus durchfahren lassen, als auch einen Spätnachmittagsspaziergang entlang der Friedenslinie gemacht. Auf der Mauer finden sich jede Menge Graffiti und Unterschriften von Besuchern, die Belfast zum erreichten Frieden beglückwünschen, sich Weltfrieden wünschen, die Iren mahnen, das Schwarz-Weiß-Denken mal hinter sich zu lassen. Es gibt auch Fragen, warum sie alle so komisch sprechen, kann ich nachvollziehen. Der Dalai Lama und Bill Clinton haben auch ihre Zufriedenheit und Bekräftigung des lieben Friedens quittiert.

Mauerbild (mural) an der Peace Line von Belfast

Mauerbild (mural) an der Peace Line von Belfast

Von Royalisten und Gälen – alle Belfaster

Wer jetzt nicht genau durchblickt, was nun die Katholiken von den Protestanten trennt: es ist die Loyalität zur Queen. Protestanten sind die Queen-Fans und viele der Familien stammen aus dem Rest des Empires. Während die Iren eher Katholiken sind und nach Unabhängigkeit bzw. einem komplett irischen Inselstaat streben. Man erkennt das gut, wenn man durch die Shankill Road läuft, wo die Geschäfte Union Jacks tragen und die gesamte Royal Family an die Hauswand gepinselt wurde. Die Fall Street dagegen hat auch einen irischen Namen, so wie die meisten Geschäfte und: die Shops sind mit farbig gestrichener Holzfassade gehalten, ganz so wie in der Irischen Republik. An der Fall Street liegt auch ein Institut für Gälische Sprache – falls sich jemand das antun möchte!

Royale Anhänger bemalen ihre Häuser auch mit der Queen - Belfast

Royale Anhänger bemalen ihre Häuser auch mit der Queen – Belfast

Zeugen der Vergangeheit

Habe ich die Kameras überall erwähnt? Die Troubles sind Vergangenheit, aber allgegenwärtig. Fast alle neuen Gebäude im Zentrum sind irgendwie mal gesprengt oder beschädigt worden, bevor man sie wieder aufgebaut hat. Die große Oper sticht besonders heraus mit ihrer Architektur aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie war eins der Bombenopfer. Gleich gegenüber reihen sich die altehrwürdigen Pubs auf der Victoria Street aneinander. Um 17 Uhr werden da die Vorhänge zugezogen: Pferderennen und Wettfieber soll von Außen wohl lieber nicht gesehen werden. Wird aber auch gemütlicher dadurch. Aber ganz ehrlich: Irish Coffee ist was absolut Widerliches! Viel zu stark, weder als Whisky noch als Kaffee irgendwie zu genießen. Hauptsache probiert!

Irish Coffee - auch der Schuss Baylis macht es nicht besser

Irish Coffee – auch der Schuss Baylis macht es nicht besser

Black Cabs in Belfast

Tipp: Die schwarzen Taxen, die während des Konfliktes als eine Art Neutrum von einem Bezirk zum andern chauffierten, machen heute Touristen-Touren. Die Guides wissen einiges, sind unterhaltsam und fahren die wichtigsten Punkte in der Stadtgeschichte ab. Ich werde das unbedingt nachholen, wenn ich wieder mal nach Belfast fliege 😉

Und damit ist der Tag in Nordirlands Hauptstadt auch wieder vorbei. Wenn Ihnen dieser Rundgang gefallen hat, kommentieren Sie doch oder teilen den Artikel mit Freunden 😉

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