Wie schön und bunt Berlin selbst im Herbst erstrahlen kann
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Ray Of Light

Wie schön und bunt Berlin selbst im Herbst erstrahlen kann

So, bevor ich mich selbst in Sonnenstrahlen suhlen werde, schick ich mal kurz ein paar bunte Lichtstrahlen durch den Äther. Berlin erfreut zur Zeit die Augen seiner Bewohner und Touris in schillernden Bonbonfarben. Hauptsächlich aber die Fotografen, die allabendlich durch die Hauptstadt marodieren und hoffen, den einen Schnappschuss zu machen, den nicht schon 10 andere vor ihnen gemacht haben. Schwieriges Unterfangen – mehr als Brandenburger Tor von weitem, nahen, links, rechts, unten und eventuell vom Adlon aus geht nicht. Macht aber Spaß.

Mehr Fotos vom Festival of Lights 2007

Statt mit Auto reise ich ja nun mit einer ordentlichen Kamera durch die Weltgeschichte. Habe mich also den Hundertschaften zur Eröffnung des „Festival of Lights“ angeschlossen, mit Stativ über die Schulter geschnallt und Kamera im Anschlag. Die erste Stunde habe ich am Alex verbracht. Wie immer unvermeidbar: Ältere Männer quatschen mich doof an. Die waren aber wirklich lustig. Oder ich. Jedenfalls kamen die durch Massen von Leuten auf mich zugesteuert „Blende 8, die Sonne lacht“. Was ich denn so mitten in der Woche und so ganz allein um diese Uhrzeit (ja, war schon fast 22 Uhr!) hier machen würde. Tja, was macht Frau an einem öffentlich ausgeschriebenen Eventabend vor einem Kamerastativ kniend mitten auf dem Alexanderplatz wohl so??? Ob ich Studentin sei – Schleimer! Nein. Ob denn dann Fotografin – das fand ich fast schon schmeichelhaft. Nur so aus Hobby fanden sie wohl unvorstellbar. Nach diversen technischen Befragungen (als ob ich wüßte, welche Blende und Belichtungszeit ich da benutze….) fragt mich der Hauptredner der Gruppe dann, womit ich meine Brillengläser so putze. Haste Worte?! „Gar nicht“ fand er so unwürdig, dass er mir ein Brillenputztuch geschenkt hat. War ich sehr erfreut drüber. Das brauchte ich tatsächlich – um das Objektiv zu putzen 😀

Fernsehturm Berlin

Das Eröffnungsfeuerwerk ließ ungefähr 40 Minuten auf sich warten, aber nicht etwa, um danach um so mehr für Furore zu sorgen. Der Berliner an sich ist ja ein ungeduldiger und eher unfreundlicher Zeitgenosse, entsprechend waren die Menschen um 22.45 Unr auch nicht mehr mit 10 Minuten Dauerfeuer in den Himmel zu begeistern. Hat man schon mal ein Feuerwerk mit Buhrufen erlebt? Ich fand die Lokation etwas unglücklich gewählt. Das Feuerwerk neben dem Fernsehturm abzufackeln, klingt im ersten Moment nach einer tollen Show. Blöd nur, wenn die Raketen auf Höhe des Park Inn (ca. ein Viertel der Höhe des Turms) verenden. Wäre überm Dom oder auch am Brandenburger Tor besser gekommen, denk ich mir. Der Fernsehturm wird übrigens extrem oft in orangenes Licht getaucht – die Stadtreinigung sponsort den Strom für die Illumination. Ausgerechnet die!

Festival of Lights Berlin 2007

Ich hatte am Vorabend durch Zufall schon das Glück, das Brandenburger Tor illuminiert zu sehen. Wollte eigentlich nur so ein paar Nachtaufnahmen machen. Und dann ist da alles in diese Quietschefarben gehüllt und man fragt sich warum… Der Unterschied zum öffentlichen Festival of Lights war die musikalische Untermalung. Großartig! Seitdem höre ich rund um die Uhr Elvis 😀 Mitten in der Nacht auf dem Pariser Platz: Ein Klampfer gibt sich große Mühe „Stairway To Heaven“ fehlerfrei in die Berliner Luft zu projezieren und dann fährt eine protzige Limosine vor und bläst aus der Rückbank(box) Elvis raus. „Suspicious Minds“ gehört jetzt zu meinen All Time Favourites!

Festival of Lights Berlin 2007

Ansonsten kompensiere ich meine autolose Zeit jetzt mit Schreib- und Programmierarbeiten in einer Autocommunity. Bahnfahren jedenfalls ist kein Ersatz! Gestern zum Beispiel, musste ich nur eine Stunde im Zug sitzen, und bin fast irre geworden. Da investiert man schon in eine Platzreservierung und landet zwischen tausenden freien Plätzen, auf denen sich bereits eine Brandenburger kinderreiche Familie über diverse Stuhlreihen ausgebreite hat.

Ich saß eine zeitlang neben Alina, ca. 5 Jahre alt und begeisterter Nintendospieler. Die Dinger funktionieren angeblich nur mit diesem nervigen Dudelton. Die ganze Mischpoke kam offensichtlich direkt aus Ascot, zumindest hatte Mama einen lila Deckel auf dem Kopf, den die Queen sicher zu würdigen gewußt hätte. Hätte sie mal auch die Jacke anbehalten. Stattdessen hing mir die ganze Zeit ihre Gaderobe und die 5 anderen Anoraks im Gesicht. Mein demonstratives „Jacken von mir wegdrücken“ hat niemanden interessiert. Die übrigen Kids waren entsprechend quengelig, weil man schon seit Fulda im Zug saß.

Die große Schwester hat ein Buch vorgelesen, mein eigenes konnte ich also vergessen. Der reinste Zirkus! Die Bahnpreise sollten angehoben werden. Irgendwann müssen sich doch auch Kinderreiche solche Ausgaben nicht mehr leisten können! Ich jedenfalls trete sie nächste Reise innerhalb Deutschlands per Mitfahrgelegenheit an.

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