Wie ich in Berlin für die Kunst in eine Gummizelle zog
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Walking In My Shoes

Wie ich in Berlin für die Kunst in eine Gummizelle zog

Ja, versucht das mal: in meinen Schuhen laufen! Ich hab das getan. Bin mit dem neuesten Paar „meine Schuhe“ auf Museumstag gefahren und vor allem: gelaufen. Nicht die beste Idee, was das Laufen angeht! Dafür hab ich aber auch was geboten bekommen! Außer den Druckstellen und Blasen habe ich nämlich unsere alte Reichs… äh… Hauptstadt besichtigt und der ortsansässigen Kultur gefrönt.

Es ist Rembrandt-Jahr, lasst euch das gesagt sein. Außer mir interessiert das vermutlich kaum jemanden. Nun ja, das wiederum interessiert mich nicht. Also, da hängen grad ganz viele Gemälde und Drucke vom alten Meister in Berlin rum, leider die „Nachtwache“ nur als kleine Kopie (wenigstens originalgroß hätten sie die kopieren können) und eine Reihe Zeichnungen, unter denen meistens steht „früher mal Rembrandt zugeschrieben, heute seinem Schüler XY“. Ich mag die Drucke. Kennt jemand das Buch „Zwischen Hell und Dunkel“? Eine Rembrandt-Biografie. Hervorragendes Buch! Sollte man gelesen haben, bevor man sich diese Kunst zu Gemüte führt. Und das da hinter mir ist ein Selbstproträt vom alten Holländer. Misst im Original 3×4 cm – wie kann man denn so klein zeichnen?!

Als meine Füße nach drei Stunden „Goldhelm“, „Hundertguldenblatt“ und „Die Windmühle in Leiden“ schon arg gelitten hatten, bin ich freiwillig von der alten Kultur in die neue gewechselt. Das ist das schöne an Großstädten, da gibt es Kinos, die 1. nachmittags um 16 Uhr geöffnet haben und 2. Originalfilme zeigen. Es kam zwar nur „Superman“, aber meinen Füßen war das gerade recht. Als ich das letzte Mal im Kino war, habe ich erst auf der Leinwand zwei Opossums gesehen und danach direkt vorm Hostel zwei echte… Diesmal hat das nicht ganz so geklappt ;o)

Nach der Erholung im Kino hab ich mich zum Alex begeben und mal eben in die Schlange zur Auffahrt auf den Fernsehturm angestellt. Wie früher! Ich habe in Berlin innerhalb von 24 Stunden vier mal mindestens 30 Minuten angestanden! Und immer noch in den falschen Schuhen! Sogar im Turm muss man brav in die Schlange, um ins Restaurant zu kommen! Bezeichnenderweise stellen sich viele Briten einfach so da an, obwohl sie gar nicht ins Restaurant wollen. Macht der Gewohnheit 😀 Und außerdem schlecht ausgeschildert. Habe dann aber auch vier Runden im Telecafe gedreht und lecker gespeist. Aufm Frankfurter Maintower isst man wesentlich teuerer! (Ach ja, es gab keine Pinguine im Fernsehturm, die bietet der nur der Sparmarkt am Ku-Damm an…) Zum Glück verwandeln sich die Betonbauten und Baustellen nach Sonnenuntergang ist eine schwarze Masse mit bunten Lichtern, also ein sehr netter Ausblick. Hätten die Füße nicht so geschmerzt, ich wäre ja noch auf einen Absacker… Superman treffen, oder so… aber ich war wirklich froh, als ich endlich in der Gummizelle war.

Die Gummizelle im Propeller Island. Designer-Hotel. Ich muss zugeben, das war eine echte Frauen-Entscheidung: nur nachm Design geguckt und nicht auf das geachtet, was drin steckt! Also, ein grünes Zimmer, alles mit Leder ausgekleidet. Lustig. Das es sich Gummizelle nennt, nunja, wie besser feiert man in einen runden Geburtstag?! Ich habe leider in der Beschreibung den Satz „Eine königliche Zelle, in der man sein Herz schlagen hört, wenn der Geist nichts tut.“ nicht weiter hinterfragt. Nachts um 1 hab ich dann den ersten Geist gehört (von wegen Meeresrauschen!) und um 2 nochmal. Danach habe ich völlig paranoid den Fernseher eingeschaltet und bis zum Morgengrauen mehr oder weniger ruhig geschlummert. Man merke: Man kommt nicht unbedingt in eine Gummizelle, weil man gewisse Voraussetzungen dafür mitbringt, man kann unter Umständen auch erst drinnen irre werden! Ja, das war also ein Spaß für sich. Ich hätte das Zwergenzimmer nehmen sollen!

Jup, und am nächsten Tag habe ich mich dann auf imaginäre Tauchfahrt begeben, und die versunkenen Schätze der Ptolemäer in Alexandria besichtigt. Davor habe ich allerdings eine geschlagene Stunde in der Schlange vorm Gropiusbau damit zugebracht, meine Ohren gegen die beiden Studies hinter mit abzuschirmen. Vergebens. Zu meinem Glück kamen Maria und „Herr Engel“ beide aus Brandenburg, studieren aber in Leipzig Lehramt Deutsch, Englisch und Musik. Maria hat die Zwischenprüfung schon hinter sich (ja, und sie lebt tatsächlich noch!) und der Herr Engel lernt grad dafür. Also, die Literaturprüfung ist ja echt der Hammer… endlich am Eingang zum Museum angekommen, hab tatsächlich nach den Einschreibungslisten für die Prüfung gesucht, statt zur Kasse zu gehen! Ich hätte ohne Probleme meine Literaturprüfung ablegen können, nachdem Maria ja so ziemlich jede Prüfungsfrage abgehandelt hatte! Aber ich drück ihr die Daumen, in drei Semestern will sie nach Australien – da gibt es nur zwei Studienplätze für deutsche Lehramtsstudenten. Ich denke, die Aussis wissen schon warum!

Also, zurück zu den versunkenen Schätzen Ägyptens in Berlin. Warum steht die Ausstellung eigentlich nicht im Ägyptischen Museum? Ist sehr schön gemacht. Man sieht viele Tonkrüge, Münzen, kleinere Tonfiguren, Sphinxen, drei riesige Statuen und eine Stele, die mein Hauptinteresse erweckt hat. Es steht dran, dass es Hieroglyphen seien und ein wenig Griechisch… Ich habe nur Keilschrift gesehen! Ich hätt schwören können… aber das hätte wenig Sinn gemacht. War vielleicht ein bisserl blöd ausgeleuchtet. Und überall kann man die Bergung per Videoaufnahmen mitverfolgen. Och, Tauchen in Ägypten? Das wäre ja mal was… für den nächsten Urlaub :o)

So, und nach vollbrachter Museumstour bin ich nun kurz zurück im tristen Allstedt und begebe mich demnächst mal wieder nach Darmstadt. Ich melde mich also, wenn ich das nächste deutsche Touri-Highlight ausgelotet habe!

Gruß
Claudi, Deutschlandbummlerin

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