Löffelabgabeliste Blühende Landschaften
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Löffelabgabeliste Blühende Landschaften

Jungs, ihr dürft jetzt auf ein Autoblog wechseln, ich verzeihe das, denn hier wird es lila und blumig.

Timing ist alles. Meins stimmt selten. Vor allem nicht, wenn es darum geht am Lake Tekapo genau dann zu stehen, wenn die Lupinen aufblühen oder durch Südafrika zu kurven, wenn die Daisies ihre Blütewoche haben. Aber man kann es sich ja mal zum Ziel machen: Blühende Landschaften besuchen, wenn sie… blühen! Meine Top-9-Landschaften, die ich blühen sehen möchte, bevor ich den Löffel abgebe.

Kirschblüte in Japan

Kirschbäume sind keine Seltenheit. Und doch ist die japanische Kirschblüte eine riesen Attraktion für Japaner wie Touristen. Ich war 2006 leider zu früh. Die Kirsche, japanisch Sakura, ist der Symbolbaum Tokios und wird landesweit verehrt wie eine Reliquie. Schnörkellos schön und zerbrechlich zart spiegelt die Kirschblüte die Seele Japans wider und taucht als ersehnter Frühlingsbote die Hälfte des gesamten Laubbaumbestands Nippons in zartrosa und weiß. Von der südlichsten Insel Kyushu wandert die Blütenfront ab März nordwärts bis sie im Mai in Hokkaido ankommt. Nur zehn Tage währt die Blüte, während der die sonst so zurückhaltenden Japaner in Parks und Gartenanlagen strömen und unter den weiß rieselnden Bäumen überschwänglich bei Snacks und Sake feiern. In vielen Parks setzt man die zauberhafte Blütenpracht der Sakura auch nachts in Szene und leuchtet den Blütenregen opulent aus – mein Task! Wann und wo die Knospen aufspringen, wird in Zeitungen und Fernsehen dem Wetterbericht ähnlich verfolgt und ausschweifend kommentiert.

Jede Menge Kirschblüten >> Pinterest

Zur Kirschblüte nach Japan

Zur Kirschblüte nach Japan

Lupinenblüte auf Island, Neuseeland und Price Edward Island

Sie duften zwar nicht so gut wie Lavendel, aber farblich kann der Wildwuchs der Lupinen auf Island mit der Lilablütenwelt der Provence locker mithalten. Ursprünglich als Erosionsschutz aus Alaska eingeführt, hat der Bestand der Lupinen die Insel mittlerweile fest im Griff seiner Wurzeln. Von den Isländern beschimpft als Unkraut, das überall sprießt, erfreut die Futterpflanze das Auge der Besucher, die die baumlose Landschaft in facettenreichen Blautönen erblicken. Zwischen isländischem Moosgrün und allen Erdtönen der Farbpalette leuchten zur Mittsommerzeit das Land unterm Polarkreis besonders mystisch die Lupinen im orange-roten Sonnenlicht. Die Lupinen blühen von Mai bis in den Juli. In Alaska, auf Prince Edward Island und Neuseeland gibt es ebenfalls wilde Lupinen en mass. In Neuseeland erwachen die rosa, weißen und lila Blumen im November. Schönster Fotostop: Lake Tekapo. Did that, have to do it again.

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Lavendelblüte in der Provence

Ein Traum für Mottenhasser und Potpourrifans: Lavendel aus der Provence.
Dabei zieht mich weniger der Duft, sondern mehr die Farbflut. Violette Felder bis in die Unendlichkeit! Das meist fotografierte Kloster ist die Abtei von Sénanque, deren alte Gemäuer mitten im Lila weilen. Rund um Nyon verwandelt sich im Juni und Juli das Grün der Ebenen in ein Meer aus Lila, das entlang der Lavendelstraßen zwischen Mont Ventoux, Luberon, Montagne de Lure und dem Plateau de Valensole bequem auf der Durchfahrt bestaunt – und wenn es denn sein muss auch erschnuppert werden kann. Am 15. August feiern die Provencalen zum Ausklang der Lila-Saison das Lavendelfest in Sault. Mal schauen, wann ich diesen dufte Traum umsetzen kann 😉

Wandele durch die Lavendelfelder >> Pinterest

Hortensienblüte auf den Azoren

Überschwänglich blaue und weiße Blumenpracht überzieht im Juli und August die Vulkanhänge der Azoreninseln. Und nicht nur die. Hortensienhecken säumen kilometerlang Straßen, Weiden und Häuser. Die Insel Faial erhielt des Blütenschimmers wegen sogar den Beinamen „Blaue Insel“. Dank der fruchtbaren Vulkanerde gedeiht das blaue Wahrzeichen des Archipels bestens und wuchert in manchen Gegenden mannshoch. Der Juli gilt als Garantiemonat für die Hortensienblüte. Ich sah die letzten welken Blütenbälle im September.

Hortensien >> Auf den Azoren

Hortensien, Sao Miguel, Azoren

Hortensien sind die Nationalblumen der Azoren

Wildblumenblüte in Namaqaland

Wenn die Wüste sich in einen Blütenteppich wandelt, spricht auch der letzte Spötter nicht mehr nur von „ein paar Gänseblümchen, die es doch überall gibt.“ Tatsächlich sind es hauptsächlich Daisies, Gänseblümchen dem Namen nach, die nur wenige Tage im eher tristen Land an der Westküste Südafrikas für eine Farbexplosion sorgen. Ein unendlich weites Meer aus Wildblumen erstreckt sich zur Rechten und Linken, wo man fährt, wandert oder radelt. Ich habe Postkarten gesehen…! Foto-Safaris gehören im August und September hier zur meistgebuchten Ausflugsart – statt Löwen, Giraffen und Zebras zu 4000 Blumenarten, die es teilweise nur in dieser Halbwüstenlandschaft gibt. Wer die Blüte erleben möchte, muss zum einen das Wetter in den Vormonaten beobachten und zum anderen etwas Glück haben. Regnet es viel im Juni und Juli, stehen die Chancen gut, zum afrikanischen Frühlingsanfang Ende August millionenfach bunte Blütenteppiche vor die Fotolinse zu bekommen. Von Kapstadt aus reisend sind bereits 60 Kilometer nördlich die ersten Blumenfelder zu finden, die größten Bestände gibt es im Namaqaland National Park und dem Transfrontier Park an der Grenze zu Namibia.

Blumenfelder im Namaqaland >> Pinterest

Blühende Landschaften - Daisies

Blühende Landschaften – Daisies

Tulpen in Holland

Tulpen sind eigentlich langweilig: Die Blüten haben keine sehr blumige Form, konische Köpfe ohne Raffinesse. Bis man mal ins Tulpenland kommt und Zuchtformen entdeckt, die mehrfach geflammte und fedrig gezackte Blütenblätter aufzeigen. Auf einem Amsterdamer Blumenmarkt (wo sonst?!) kaufte ich mal eine „Rembrandtmischung“ Tulpen. Sie blühen heute noch im Garten meiner Eltern – allerdings von Jahr zu Jahr weniger „raffiniert“. Also dann doch vor Ort und in überwältigender Masse. Rund um Leiden (ja, schon wieder Rembrandt, seine Geburtsstadt) liegen die Felder, die sich wie ein Regenbogen vom Wegesrand bis zum Horizont erstrecken. Ich geh davon aus, dass dazwischen Hyazinthen wachsen und da sie zur selben Zeit blühen, dürfte da eine Duftwolke schweben, die einen sofort ins Blumenfeld kippen lässt. Ab April wird getulpt, Ende Mai wird im Keukenhof Blumenpark ein großer Blumenkorso veranstaltet, quasi das letzte Aufbäumen, bevor die Pracht verblüht.

Ich war da, in Hollands Tulpenfeldern >> Reisetipp Keukenhof
Tulpenfelder >> Pinterest

Tulpen im Keukenhof

Tulpen im Keukenhof

Kakteen in Arizons Wüste

Mein kleiner grüner Kaktus… wächst seit Jahren nicht wie er soll. In der Sonora-Wüste in den USA/Mexiko soll es Kakteen geben, die nicht nur unglaublich hoch wachsen, sondern auch wunderschön blühen! Im Saguaro Nationalpark hat es eine dieser Sekkulenten soweit gebracht, dass man den gesamten Natio-nalpark nach ihr benannte. Also, diese bis zu 200 Jahre alten Saguaro-Kakteen sind irgendwo in der Wüste um Tuscon vor allem im Mai und Juni auf einem Scenic Drive durch den Park häufig und in großer Ansammlung zu bestaunen. Blöd dabei: es ist wirklich sehr heiß in dieser Wüste…

Kakteenfotos aus Arizona >> Pinterest

Kaktusblüte

Kaktusblüte

Jacaranda in Südamerika

Das blaueste Lila der Welt! Die Jacaranda-Bäume sah ich erstmals auf Hawaii. Dann erst Jahre später wieder – in Tansania. Und dann in Malaga, wo die leuchtend blauen Blüten die Straßen vor allem auf der asphaltierten Dimension bedeckten. Jacaranda fühlt sich vor allem in Sonne und Wärme wohl. Die Straßen von Johannesburg oder auch Buenos Aires sehen von oben betrachtet wie ein dickes fettes lila Spinnennetz aus, denn da hat man die Bäume nicht nur hier und da in die Vorgärten gepflanzt, sie säumen Straßenzüge und Alleen! Der Baum ist vor allem in Südamerika verbreitet. Das Reisedatum müsste irgendwo im Dezember liegen. Das Zeitfenster ist fast zwei Monate lang, also machbar.

Blaue Jacaranda-Alleen >> Pinterest

Blühende Landschaften - Jacaranda

Blühende Landschaften – Jacaranda

Mandelblüte auf Mallorca

Das blaue Vögelchen auf twitter zwitschert es, sowie die ersten Mandelblüten auf Mallorca erspäht wurden. Laut Reiseführer platzen Mitte Januar die Knospen auf den Balearen auf. Startschuss für die Vorsaison, denn die sieben Millionen Mandelbäume sind ein gewichtiger Grund, bei angenehmen Temperaturen ins mallorquinische Hinterland aufzubrechen und das winterlich schwere Gemüt mittels rosa-weißen Blütenpracht zu erhellen. Von Ost nach West knospen die Blüten von Mandeln und Aprikosen nach und nach auf. Rund um Llucmajor zum Beispiel, sorgen Plantagen für den Meereffekt und am Klosterberg Randa leuchtet es ebenfalls rosa und weiß. Bis in den März hinein können die blühen-den Landschaften bewundert werden. Ich werde mir das ansehen, allerdings erst im November meines Lebens… Malle nicht vor 60!

Mandelblüten-Fotos >> Pinterest

Weitere blühende Landschaften

– die roten Mohnfelder in der Toskana
– Krokus-Felder im Iran (aber auch in der Schweiz auf entsprechender Höhe)
– die Heideblüte in Schottland (oder auch in der Lüneburger Heide)
– Wildblumen im Nordwesten der USA
– Azaleen-Berge in Südkorea und Japan

Welche blühende Landschaften habt ihr schon gesehen oder möchtet sie noch sehen? Ihr dürft gern im Kommentarfeld ergänzen, ich freu mich drüber wie ein Gänseblümchen am Mittag 😉


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