Wie ich mich durch Budapests Cafes und Strudel schlemmte
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Sweet And Simple

Wie ich mich durch Budapests Cafes und Strudel schlemmte

… dieses Kapitel dürfte die Vegetarier nach dem Pferde- und Gulaschbericht wieder versöhnen. Den letzten (offiziellen) Teil dieser anstrengenden Recherche (ich weiß, ihr glaubt mir nicht!!!) haben die Israelin und ich mit Kaffee trinken und Strudel essen verbracht. Andreas Alternative brachte uns zum Retesház – dem Strudelhaus. Man möchte meinen, das sei eine langansässige Instanz der Stadt, aber das Haus existiert erst seit ein paar Jahren.

Wie ich festgestellt habe, wird der Strudel mehrheitlich als eine Ösi-Erfindung betrachtet (Wiki hat nicht immer Recht), aber die Lorbeeren stehen in dem Fall wohl den Türken zu. Die haben 150 Jahre lang das heutige Ungarn besetzt und den (ja nun nicht mehr so ganz gesicherten) Steppenvölkern Kultur begebracht: Kaffee trinken, z.B. und dazu Baklava. Im Prinzip ist der Strudel nichts viel anderes als ein bisschen anders gefülltes Baklava, allerdings zuckerfrei.

Im Strudelhaus darf man zugucken, wie der Teig geworfen und gezogen wird bis er über einen recht großen Küchentisch hängt und mit Quark, Kirschen, Kraut, Kartoffelbrei oder Fleisch gefüllt wird und nach exakt vier Umschlägen zerstückelt und aufs Blech wandert. Faszinierendes Schauspiel. Wir hatten natürlich ein Extramenü – mit Strudel in allen Menüpunkten. Ein strudeliges Völlegefühl inklusive. Mein Favourit ist und bleibt „turos retes“ (sprich: turosch retesch), Quarkstrudel. Schmeckte fast wie bei Oma! 🙂

Nachdem euch jetzt sicher der Sabber läuft, kann ich alle Hobby-Bäcker beruhigen – der Chef des Hauses gab uns das Rezept. Für 14 KILOGRAMM Strudel! Jemand interessiert? Bitte sehr:

Nach der Schlacht durch den Schichtenteig ging nix mehr. Aber da sich Budapest im Frühling als winterliches Erlebnis entpuppt hat, haben wir kollegial einen neuen Blickwinkel beschlossen. Den Blick vom Cafe nach draussen. Das schöne an diesen internationalen Pressegruppen ist, dass jeder daselbe Thema beackern kann und man sich trotzdem keine Konkurrenz macht – denn was interessiert mich eine Budapest Kaffehaus-Story aus Israel?

Und zu zweit im Cafe sitzen bzw. mit Kamera im Anschlag durchrennen macht das Ganze viel spaßiger. Wir haben daher noch das Central Cafe besichtigt. Wie das New York Cafe noch an seine ursprüngliche Ausstattung gebunden, allerdings weniger protzig. Auch hier sollen Literaten und Journalisten kurz nach der Jahrhundertwende Tage und Nächte mit Kaffee, Kuchen und Tintenfass verbracht haben. Ein paar von denen hat man auf der Empore des Cafes aufgehangen – ihre Fotos zumindest. Der Konditor des Hauses ist ein mehrach ausgezeichneter Süßwarenspezialist. Das sah aber auch lecker aus, was da in der Theke schlummerte… aber der Strudel lag schwer. Was soll ich sagen, danach war auch der Klatsch mit Shahar (so heißt die Israelin) vorüber bzw. die Zeit abgelaufen. War eine sehr angenehme Kollegin und schwatzhaft… oj!

Meinen (vorerst) letzten Abend in Budapest habe ich in einer Theatervorstellung der hypo-internationalen Klasse verbringen wollen: Shakespeare in Russisch mit ungarischen Untertitel – nach 15 Minuten bin ich geflüchtet. Unverständlich. Obwohl das Nationaltheater rein äußerlich ein hübsches Ding ist. Aber der olle Brite auf Russisch war mir zu anstrengend. Statt Kultur habe ich dann doch noch die Kettenbrücke bei Nacht fotografiert. Ein schöner Anblick von Buda nach Pest und zurück. Die 4 Tage haben wie immer nicht gereicht. Unbedingt ansehen sollte man sich die Fischerbastei, ein Blick aufs oder ins Parlament schadet sicher auch nicht. Die Matthiaskirche ist die berühmteste in der Stadt, die Synagoge sieht aus wie eine Moschee (die in Berlin allerdings auch). Das Gellert (Hotel und Spa) gilt als Highclass-Jugendstil-Bad und war zu Ostzeiten völlig überteuert, heute kann man da mal baden gehen. Spaziergänge an der Donau entlang sind gerade nicht zu empfehlen, da auf beiden Seite Straßenbahnschienen neu verlegt werden. Eine Fahrt auf dem Gewässer ist dagegen sicher aussichtsreicher – den Wind nur vorher einkalkulieren.
Der ultimative Budapest-Tipp jedoch: Im Juni hinfliegen! Dann ist es garantiert warm.

Und damit sag ich Goodbye to Buda & Viszontlátásra Pest!
Claudi

Ich reiste auf Einladung von Ungarn-Tourimus

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