Hölzernes Weltkulturerbe: Chiloés Kirchen
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Hölzernes Weltkulturerbe: Chiloés Kirchen

Pablo sagt von Chiloé, die Heimat seiner Großmutter sei für ihn der Ort, an dem die Menschen sich gegenseitig helfen und auf einander verlassen können. Ein Ort, an dem Reichtum nicht mit Geld gemessen wird. Und das demonstriert uns das Organisationsgenie bei jeder Gelegenheit. Auf diese Weise öffnen sich beispielsweise die Kirchentüren, die sonst um diese Uhrzeit verschlossen bleiben.

Chiloé Holzkirche Achao

Älteste Holzkirche von Chiloé in Achao

Von den ca. 160 Holzkirchen des Archipels gelten 16 als Weltkulturerbe. Sie wurden zum Großteil im 17. Und 18. Jahrhundert erbaut und spiegeln architektonisch die gemischte Inselkultur wider. Ein bisschen muten sie wie typische Jesuiten-Kirchen an, andererseits sind sie besonders farbenfroh und komplett aus (größtenteils Alerce-)Holz gefertigt und geschindelt wie die meisten Häuser auf den Inseln.

In der ältesten Holzkirche des Archipels Iglesia Santa Maria in Achao auf der Insel Quinchao hat man beispielsweise die Deckengewölbe dunkelblau angemalt und die Seitenschiffe in hellblau. Das Himmelszelt wird von goldenen Linien durchzogen. Die Säulen wurden ebenfalls bemalt, um den fehlenden Marmor zu imitieren. Kleine Ikonen sind in Nischen in den Wände eingelassen.Der Altarbereich ist mit einem wunderschön geschnitzten kleinen Zaun vom Kirchenraum getrennt.

Die Holzkirche wurde ohne einen einzigen Nagel gebaut, nur durch Nut und Feder hält das alles zusammen. Von Außen wirkt sie verwittert, hat keinerlei Anstrich. Das Holz der Alerce (Patagonische Zypresse) soll bis zu 100 Jahre absolut dicht halten. Wer einen Blick in die Kirche werfen möchte, sollte unbedingt vor 13 Uhr da sein. Oder einen Pablo dabei habe, der bestimmt jemanden kennt, der den Schlüssel hat.

Iglesia San Fransisco in Castro

Die Iglesia de San Francisco in der Inselhauptstadt Castro ist allein äußerlich bereits etwas größer und mächtiger als die anderen Kirchen. Sie hat zwei Türme, wirkt wie eine Kathedrale und der gelbe Anstrich leuchtet schon von weitem über den Placa de Armas. Von Innen ist die Holzkirche noch beeindruckender. „Ursprünglich war das gesamte Gebäude als Betonbau geplant“, flüstert mir Pablo zu, „da es auf Chiloé aber so etwas nicht gibt, musste alles mit Holz gebaut werden.“

Jede Rundung, jede Figur, jede Diele des neugothischen Baus ist aus heimischen Holz gefertigt. Die Vertäfelung wurde naturbelassen, was dem katholischen Gotteshaus eine äußerst schlichte, vor allem aber sehr warme Atmosphäre verleiht. Eine übergroße Figur vom Erzengel Michael, der den Satan erschlägt, ist der größte Schatz der Kirche.

Eine ganze Weile sitzen wir und lassen das Gebäude auf uns wirken, atmen den Duft des Holzes, fühlen uns vor Wind und Nieselregen vor der Tür wohl behütet.

Palafitos

Wieder an der frischen Luft spazieren wir zu unserem ebenfalls gelb lechtenden Hostel. Ein traditionelles Palafito! Wenn sie auf Chiloé eines können, dann Häuser aus Holz. Wie die Holzkirchen sind auch die Palafitos reine Holzhäuser. Die wasserdichten Schindeln auf Dächern und Wänden trotzen jedem Wetter. Palafitos stehen natürlich auf Pfählen. Die Zypressenstämme können Jahrzehnte im Wasser stehen. Jahrhunderte standen Palafitos in Ancud, Quellón und Castro als ganz typische Behausung.

Nur in Castro kann man sie noch als eine Waterfront besichtigen oder bewohnen, eine ganze Reihe Stelzenhäuser mit Bootslacken bunt angemalt. Manche sind Hotels, andere Restaurants. In Ancud und Quellón hat leider ein Tsunami bewiesen, welche Kraft bewegtes Wasser haben kann.

Wir gehen jetzt trotzdem ins gemütliche warme Holzhaus, setzen uns an das große Fenster im oberen Stockwerk und schauen zu wie die Flut langsam die Bucht mit Wasser füllt.

Wir lesen uns 😉
Hasta luego!

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Diese Recherchen entstanden während einer Pressereise, unterstützt von Turismo Chile für eine Print-Berichterstattung

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