Warum ich unbedingt im Camper durch Nova Scotia reisen wollte
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Life Is A Highway

Warum ich unbedingt im Camper durch Nova Scotia reisen wollte

Ein Eichhörnchen sang uns gerade eine kleine Nachtmusik, während wir einen beträchtlichen Teil unseres Kilobeutels Hackbällchen in Tomatensauce ersäuften. So muss Camping sein – auf der Holzbank und improvisiert an allen Ecken. Das Kaffeepulver haben wir beispielsweise zum Besteck improvisiert, während die Zwiebeln beim Putzzeug lagern. Haarwäsche und Duschbad ruhen im Spülbecken, die Bananen sind noch immer nicht verrutscht, obwohl sie auf der 30 Quadratzentimeter Arbeitsplatte liegen.

eichhörnchen

Camper – Komfort für Improvisationskünstler

Improvisieren macht Spaß. Aber Camping mag ich eigentlich gar nicht so. Hauptsächlich weil ich eine normalgroße Toilette und eine Dusche bevorzuge, unter der ich mich in mindestens eine Richtung drehen kann. Dieser Camper jedenfalls beinhaltet eine Besenkammer mit stillem Abort, der noch dazu alle 2 Tage gedumpt werden soll. Das hat uns Annika so erklärt. Annika aus Dresden arbeite nämlich da, wo sie einem Camper erklären und verleihen und so praktische Tipps geben wie: „wenn du in Ruhe kochen willst, nimm die Batterie aus dem Rauchmelder.“ Wir haben die Batterie nicht rausbekommen, aber den Rauchmelder einfach vor die Tür gelegt. Ging auch. Danke, Annika!

 camperessen

Einweisung ins Camper-Innenleben

Annika hat uns auch erklärt, wie man abgesehen von der Autobatterie während des Fahrens Strom auf den Kühlschrank bekommt, der größer ist als die Besenkammer. Welcher Schalter für Heißwasser zum Duschen und abwaschen gehört und wie viele Hebelchen und Kammern an dieser mobilen Wohneinheit versteckt sind und wie sie bedient werden müssen. Ich habe mitgeschrieben. Trotzdem standen wir vorhin vor der Frage: wo ist der Schlauch fürs Abwasser? Und in welches Loch im schönen Commonwealth-Rasen geht hier welcher Dreck aus unserem Wohnwagen?

dumping

Camper – immer noch besser als Zelt

Was ich an Camping auch nie mochte, sind die Geräusche der Nacht und die Ungewissheit, ob mich der Stoff eines Zeltes von ihren Urhebern erfolgreich trennen wird. Im Falle eines Autos, feste Plaste und Metall, bin ich zuversichtlich, von keinem Coyoten angefallen zu werden. Dass mich jetzt ein im Sturm schwankender Aufsatz auf einem tonnenschweren Truck nervös macht, liegt also am mangelnden Vertrauen in die Technik… irgendwas ist ja immer. Aber nach der ersten Sturmnacht und dem bewährten Halt der Vertäuung bin ich mit dem Punkt Nachtruhe in Frieden.

innen

Warum mit einem Camper?

Die Frage ist berechtigt, warum sie überhaupt campen wollte. Weil Kanada riesig ist, das zweitgrößte Land der Welt, und man die Strecken überwinden muss, wenn man mehr als einen Flecken sehen will. Ich will sowas. Roadtrips gehören zu fast jeder meiner Reisen. Mietwagen hätte es auch getan, sicher. In meinem Kopf spukte aber immer das Bild vom Camperurlaub durch Kanada herum. Die Weite des Landes in einem fahrenden Wohnzimmer erkunden, das war es! Abgesehen davon mag ich Herausforderungen und mit einem Camper zu fahren, ist eine. Wenn auch keine große, wie ich festgestellt habe. Allerdings fahren wir hier den kleinsten seiner Klasse, Pick-up mit Camper-Einheit draufgeschnallt. Da gibt es weitaus größere Gefährte, wie man überall sieht. Die sind dann doch schwieriger um die Ecke zu biegen oder rückwärts zu fahren.

Ja, Kanadas Straßen sind breit genug, um mit so einem schwankenden Boot über den Asphalt zu navigieren, dennoch sind viele der nicht-Highways an den Rändern angefressen und etwas schwieriger für jemanden, der die Kiste so grade mal in der Mitte der Fahrbahn balanciert. Fühle mich aber nach 9 Stunden hinterm Steuer recht sicher und irgendwie auch fast schon wie in einem normalen Auto – nur mit mehr Überblick, denn die Zugmaschine geht mir mit ihrer Motorhaube bis auf Schulterhöhe.

claudi camper

Fräulein Claudis Gespür für große Autos

Allen Wohnmobilträumern sei hiermit bestätigt, es ist schon irgendwie cool zu bemerken, dass man dem Monster unter seinem Hintern irgendwie Herre ist. Natürlich sind die Preise hoch, sowohl für ein Womo als auch für einzelne Hotels, Pensionen, Restaurants und so weiter. Ich denke nicht, dass sich Mietwagen + Hotels + Restaurants gegen Womo + Supermarkt + Campground-Gebühr viel nimmt (werde das am Ende der Reise mal berechnen). Aber das Gefühl der Unabhängigkeit und dass man einfach mal anhalten und im eigenen Wagen aufs Klo gehen kann, sprechen jedoch klar für einen Camper, finde ich.

Wildnis direkt am Straßenrand

Und sonst noch so? Wie David, der uns vom Hotel zum Camper-Vermieter Fraserway in Halifax chauffierte, schon bemerkte „Elche, Wölfe und Bären werdet ihr nicht sehen, aber Waschbären, Füchse und Eichhörnchen. 80 Prozent davon an der Straße liegend, weil sie die andere Seite erreichen wollten.“ Das Campingplatz-Eichhörnchen von Ingonish hat es jedenfalls geschafft. Vielleicht musste es aber auch noch keine Straße überqueren. Wir hoffen morgen auf eine gemütliche Weiterfahrt entlang des Cabot Trails, vielleicht singt uns dann mal ein Elch was vor. Unter einem Hotelzimmer würde er das sicher nicht tun, aber vielleicht neben unserem schönen weißen Supertruck.

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Diese Recherchereise wird zum Teil unterstützt von Condor, Canusa, Tourism Nova Scotia, Tourism PEI, Tourism New Bunswick. Herzlichen Dank dafür!
Das Eichhörnchenfoto hat Sascha geschossen 😉

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