Was Charlie Chaplin mit dem Ring of Kerry zu tun hat
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Sideways Shuffle

Was Charlie Chaplin mit dem Ring of Kerry zu tun hat

Eigentlich kann man Irland in drei Stunden auf der Ost-West-Achse und in vier Stunden von Nord nach Süd queren. Uneigentlich ist man natürlich auf den niedlichen kleinen Straßen ewig unterwegs und muss ja auch bei jedem Regenbogen anhalten und Foto machen 😉 Und dann sind da noch diese Halbinseln, das Gefranse in der südwestlichen Ecke.

Killarney National Park

Ring of Kerry

Nach Beara also Kerry. Das County, aus dem die Butter kommt, sitzt zum Großteil auf der gleichnamigen Halbinsel (und der Dingle-Peninsula), um die sich eine 180 Kilometer lange Küstenstraße schlängelt. Immer schön am Atlantik entlang, wo die Gischt über den rundgeschliffenen Granit spritzt und der Regen gelegentlich die Sicht verwehrt. Wir sind die kurvige Strecke auf dem Abschnitt Kenmare – Killarney gleich viermal gefahren. Auf dieser Strecke geht es durch den pittoresken Killarney Nationalpark, man genießt am Ladys View den Blick über die zerklüfteten Seenlandschaft und man kommt eben mehrmals lang, wenn man vom Beara-Ring via Kenmare zum Hotel in Killarney will, um am nächsten Tag anti-clockwise über den Ring zu fahren. Zu diesem Fahrverhalten rät der Lonely Planet und jeder Einheimische, denn die enge Straße fährt man lieber mit den vielen Touribussen als ihnen im Gegenverkehr in einer uneinsichtigen Kurve zu begegnen.

Kerry-Kühe

Unterkommen leicht und schwer

Nachdem uns ein anderes deutsches Pärchen das gebuchte und angezahlte Zimmer vor der Nase weggeschnappt hatte, konnte uns die betrogene Dame des Hauses in einem anderen B&B unterbringen.

  • Wir lernen: unsere Landsmänner tun alles für eine Unterkunft und geben sich auch mal als Claudi aus!
  • Und wir lernen: alte irische Damen sind leichtgläubig.
  • Und wir lernen: man muss eigentlich nicht vorbuchen, die gesamte Insel vermietet Zimmer, Häuser und Bungalows.

 Irlands wilde Küste

Waterville Chaplin Festival

Ausgeruht begeben wir uns auf die erste Etappe auf den Ring und nach Waterville, so ziemlich am äußersten Zipfel des Kerry-Zipfels. Hier findet jeden August das Charlie Chaplin Festival statt. Waterville war einer der Lieblingsurlaubsorte der Chaplins, daher feiert man den Komiker alljährlich mit einem viertägigen Festival. Sehr lustige Angelegenheit, denn da werden nicht nur diverse Filmklassiker des kleinen großen Mannes in Kneipen und Community-Räumlichkeiten vorgeführt, sondern auch Chaplin selbst führt vor. Mehrere Imitatoren liefen an unserem abendlichen Stadtrundgang durchs kleine Städtchen am Wasser entgegen. Einer dirigierte den Verkehrsfluss auf der Hauptstraße und versuchte, einem kleinen dicken Jungen einen Lutscher aus den geschlossenen Händen wählen zu lassen. Ein anderer nahm Fotos mit den Besuchern auf und vollbrachte dabei das kleine Kunststück, trotzdem noch ein Pint Bier in der Hand zu behalten.

Chaplin Festival in Waterville

Lodge am Zipfel Kerrys

Übrigens haben wir nicht in Waterville selbst genächtigt, sondern etwas außerhalb an einer kleinen Bucht mit Blick auf Wolken verhangene Bergketten und Kühe auf der Weide in der Currane Lodge. Die haben Nachtischlampen an die Decke genagelt – in Ermangelung eines richtigen Lampenschirms und drei rothaarige Jungen, die in der zweiten Etage rumrennen. Aber man schläft ganz gut und das Frühstück bestand immerhin aus selbst gemachten Marmeladen auf dem Toast.

Skellig Ring

Nicht weit von Waterville zweigt vom Ring of Kerry der Skellig Ring ab. Nur 18 Kilometer misst die kurvige (ja ich werde nicht müde es zu erwähnen) schmale Straße, die nach Portmagee und zum Hafen für die Fähre zur Skellig-Insel Michael führt. Die See ist sehr unruhig und der Himmel bewölkt an diesem Tag, also fahren wir lieber an der Küstenstraße entlang und schauen zu, wie die zackigen Inseln in Minutenschnelle in Regenwolken verschwinden und dann wieder im Sonnenschein und Regenbogen aus dem Meer auftauchen. Die höchsten Fuchsienhecken der Insel habe ich hier gesehen – ich übertreibe nicht, wenn ich auf drei Meter schätze! Je näher wir übrigens auf die ebenfalls vorgelagerte Insel Puffin kamen, desto schlechter Wurde die Sicht auf selbige. Es gibt tatsächlich jede Menge Papageientaucher dort, aber von Land aus sind die nicht zu erkennen. Besonders schön finde ich auch all die grünen Weiden, die von kleinen weißen Steinmauern kreuz und quer zerstückelt werden. So muss Irland sein!

Valentia Island

Valentia Island

Ebenfalls nicht weit von Waterville und dem Skellig Ring gibt es noch einen Abstecher von Portmagee nach Valentia Island. Über die Brücke und dann durch die grüne Hölle an der Küste entlang. Man sieht weder die Klippen neben einem noch das Meer dahinter, nur bemooste Bäume und Farne, Brombeergestrüpp und ein paar orange Blütentupfer. Herrlich! Wenn die Allee dann doch aufhört, darf man zum Leuchtturm hinunterstaunen und das Heidekraut am Berg bewundern, das – ohja! – im August in voller Blüte steht. Ich mag Blumen 🙂

Irland im Seitenspiegel

Der Hauptort (ich glaube, es ist der einzige überhaupt) der 3×11 Kilometer großen Insel nennt sich Knightstown. Zu meinem Entsetzen badeten da ernsthaft die Kids im Hafenbecken und sprangen auf dem Wasser-Trampolin herum, als wären 30 Grad und das Wasser mindestens genauso. Aber es war a) windig, b) unter 20 Grad Luft und c) unter 10 Grad im Wasser! Tapfer sind sie, die Iren.

Valentia Island

Bei den blauen Tassen

Wir haben uns lieber in das Coffee House verzogen, das mit den blauen Stühlen davor und den blauen Tassen drinnen – ein Sammeltick der Besitzer, wie die Bedienung mir verriet. Jedenfalls kann man da gut relaxen, kommt ins Gespräch mit herumreisenden Iren, die den Ring natürlich alle toll finden und erfährt vom Chaplin Festival – auf dem man selbst ja schon war 😉 Mit einer Fähre kommt man wieder von der Insel weg – man hätte auch die Brücke nach Portmagee zurücknehmen können, aber das Navi wollte einen neuen Weg beschreiten. So haben wir dann auch die restlichen Schafsweiden, eine Eisdiele am Weg und nette kleine Cottages gesehen.

Valentia Island

Kenmare – Ausgangsort für Ring-Reisende

Bis Kenmare führte uns die Ringstraße dann wieder durch Montbretien bestandene Straßen und Gassen, durchs farbenfrohe Sneem und 80 kmh-Feldweg-Abkürzungen, die nur ein Navi finden kann. In Kenmare hatten wir in der 2 Mile Lodge übrigens eins der besten Frühstücke (Pfannkuchen mit Ahornsirup von der Frau des Hauses zubereitet) und ein fabelhaftes Dinner im „No. 35“ – bei Shepherds Pie und Beefburger in recht moderner Abwandlung.

Kenmare

Teil 3 des Trips wird in den relativ wenig bereisten Nordwesten der Insel führen, ins County Donegal! Coming soon 😉

Viele Grüße so far
Claudi

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