Irland-Roadtrip: Wo die Schafe nicht mehr gondeln
bereist am:
The Long and Winding Road

Irland-Roadtrip: Wo die Schafe nicht mehr gondeln

Es gibt Reisen, auf denen geht alles konträr. Alles, was man geplant hatte, läuft in eine ganz andere Richtung. Und trotzdem: Am Ende wird man sagen „schön war’s!“

Irland-Urlaub – schön war er!

Und nur gut, dass ich vorher mal keine Ankündigung und Reiseplanung vorgestellt habe. Es ist eh nicht gekommen, wie es sollte. Was ist passiert? Naja, wir haben uns schlicht nicht gut genug vorbereitet. Wir sind zum Beispiel ohne Reiseführer losgefahren. Man hatte schließlich die strategischen Punkte festgesetzt und Übernachtungen vorgebucht. Ein Roadtrip spielt sich hauptsächlich auf der Straße ab. In dem Punkt habe ich mich nicht verkalkuliert – ein großer Teil des Programms bestand aus: Fahren!

Irland-Roadtrip mit dem Mietwagen

Ich mag das ja. Ab hinters Steuer, Sitz bis zum Anschlag vor und hoch. Scheibenwischer an und ab geht die Post. Auf der linken Seite. Habe übrigens das volle Paket gebucht, samt Vollkasko und Navi – bei sunnycars. Den Schweizer Mädels neben mir in der Mietwagen-Reihe konnte man einfach nicht die zusätzliche Versicherung schmackhaft machen. „Wenn Sie irgendwo parken und einer das Auto zerkratzt oder aufknackt, zahlen Sie alles!“ Hat die jungen Dinger nicht gekratzt. Hach, einmal nochmal so jung und doof sein…

Mit dem Mietwagen durch Irland

Mit dem Mietwagen durch Irland

Was ich auf den Straßen Irlands schon in der ersten Stunde gelernt habe

  • Man zahlt Maut! Für die spezielle Autobahn um Dublin rum zahlt man innerhalb 48 Stunden per Smartphone-App, via Internet oder an einer Tankstelle. Für alle übrigen Autobahnnutzungen wird an Mautstationen direkt auf Strecke gelatzt. Kostet so um die 1,50 bis 3 Euro.
  • Iren fahren wie Irre! Und das obwohl man eigentlich nicht schneller als 120 kmh über die Piste jagen darf. Auf der Autobahn mag das ok sein. Gefährlich wird es, wenn man da mal runterfährt. Die Straßen verengen sich schlagartig, die irren Iren werden keinen Wimpernschlag langsamer!
  • Man muss immer mit Wetter rechnen. Urplötzlich hat dich die schwarze Wolke ein – und dann sollte man wissen, wo der schnell-schnell-Wischermodus ist.
  • Links fahren in einem für Linksfahrer gebauten Auto ist gar nicht sooo kompliziert und schwer. Man kann es wagen!
  • Navi-Geräte sind auch nicht besser als Menschen.

Irland im Seitenspiegel

Roadtrip ins Herz der grünen Insel

Und nach der Übungsstunde auf der Autobahn, musste ich dann doch ins Hinterland fahren und die engen Straßen kennenlernen und mich von einem völlig bekloppten Navi-Gerät über die abwegigsten Straßen weisen lassen. Mein Co-Pilot hat quasi an jeder Ampel den Kurs korrigieren müssen. Aber… wir haben es geschafft, zunächst ins Herz der Insel, nach Ferbane. Sagt keinem was, ist vollkommen unwichtig und klein. Wohnt eine Freundin und nur deshalb war man da 😉 Besagte Freundin ist dann auch der Reiseführer-Fürsprecher und Wegweiser nach Fota, wo angeblich die Kängurus über die Straße hüpfen.

Irische Landschaft wie man sie sich vorstellt

Irische Landschaft wie man sie sich vorstellt

Die Kängurus vom Wildlife-Park Fota

Kängurus in Irland? Meine Mission! Jetzt also mit Lonely-Planet durch die sprichwörtliche Mitte ab in den Süden und zum Fota Wildlife Park. Dort hüpfen die Kängurus zwar über die Straße, aber natürlich innerhalb des Parks. Und sie sind längst nicht die einzigen Exoten auf der grünen Insel. Wir beobachten Strauße und Emus, die sich gegenseitig hacken, Zebras, die Artgenossen wegschubsen und Giraffen, die das alles nicht interessiert. Dazwischen hoppelt ein Wallaby über den Weg und schon können wir sagen: Wir haben in Irland Kängurus über die Straße hüpfen sehen! Danach haben wir uns durch den Corker Stadtverkehr gequält, diverse Extrarunden durch Kreisverkehre gedreht und schließlich doch das B&B gefunden.

Kängurus in Irland? Aber ja, im Fota Wildlife Park!

Kängurus in Irland? Aber ja, im Fota Wildlife Park!

Roadtrip-Zwischenfall in Cork

Cork wird aber vor allem im Gedächtnis bleiben, weil ich dort einen DHL-Wagen am Spiegel gestreift habe. Nicht viel passiert… aber erschrocken haben wir uns schon. Ab da fährt man sehr viel ängstlicher. Und die Iren kommen einen natürlich noch irrer vor, wenn sie über zwei Meter breite Fahrbahnen heizen, als wären sie allein. Nun ja, Roadtripping ist wohl auch „Augen zu und durch“ nachdem „Augen zu und durch“ nicht ganz geklappt hat 😀

Ring of Beara

Also wieder rauf aufs Pferd und weiter geht die wilde Fahrt. Auf den Ring of Beara. Er ist der kleinere Bruder vom Ring of Kerry und umrundet die wirklich wildromantische Beara-Halbinsel. Enge Straßen schlängeln sich durch Heide, Fuchsienhecken und nackten Fels. Dazwischen leuchten die Montbretien am Wegesrand und Schafe grasen sich ihren Weg ins grüne Inland. Bis zum äußersten Punkt der Halbinsel wollen wir, denn dort gondelt über eine 60 Meter breite Meerenge eine kleine Seilbahn zur Insel Dursey.

Gondel nach Dursey

Gondel nach Dursey

Die gondelnden Schafe von Dursey

Eigentlich nichts Spektakuläres, aber in dieser Gondel fährt angeblich auch Nutzvieh mit. Alle, die sich über die einspurige Fahrbahn zum Landesende trauen, kommen letztlich für diesen Anblick: Wie die Schafe von Dursey rübergondeln und aus dem Gefährt stolpern. Ich habe es mir auch so toll vorgestellt. Und dann musste ich mir vom Ticketverkäufer erzählen lassen, dass die Schafe nicht mehr gondeln! Seit November schon dürfen sie nicht mehr in die Seilbahn. Die Schäfer müssen sie nun mit Booten und kleinen Fähren über den Sound bringen. Aber auch dieses Schauspiel war nicht zu sehen. Man sei sehr enttäuscht, dass der Seilbahnbetreiber das nicht mehr will. Diese Show war ein echter Touri-Magnet. Es soll schon Bittbriefe von allerlei Besuchern geben, die sich für eine Wiederbelebung der tierischen Überfahrt aussprechen. Also, immer mal wieder nachhorchen.

Infotafel an der Dursey  Seilbahn

Infotafel an der Dursey Seilbahn

Kuh-Stau auf der Ringstraße

Nach einem Beinahe-Unfall mit irischer Raser-Mutter am Steuer und kurzem Herzaussetzer, hatten wir aber doch noch unser tierisches Irland-Erlebnis. Kuh-Stau! Die Kühe liefen, getrieben von ihrem Schäfer im Jeep, eine gefühlte Ewigkeit vor uns auf der Straße her. Unter 5 kmh. Vorbeikommen unmöglich. Bis dahin hatten wir übrigens kaum Schafe gesehen, allerdings mit Millionen gerechnet, aber Kühe sind so irisch wie die Butter aus dem Nachbar-County. Man muss sich dessen nur mal bewusst werden.

Und damit enden die ersten Roadtripping-Tage ohne Schafe in der Gondel, mit zwei Beinahe-Crashs und Kängurus im Zoo. Schön war’s, aber nicht wie geplant!

Mehr Abenteuer von der Straße: demnächst!
Es grüßt, die Frau hinterm Steuer 😉

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