Wie mich Hiroshimas Atom-Bomben-Museum sprachlos machte
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Ein bisschen Frieden

Wie mich Hiroshimas Atom-Bomben-Museum sprachlos machte

Und dann haben wir einen Shinkansen betreten und sind mit 285 kmh in 2 Stunden nach Hiroshima gefahren. Ja, von mir aus nennt es Katastrophen-Tourismus! Man muss doch was von der Geschichte des Landes mitnehmen, wenn man schon mal da ist! Außerdem wird Hiroshima im Bangkok Airways Flugmagazin als die neue In-Stadt Japans gefeiert. Davon haben wir zugegebenermaßen allerdings wenig mitbekommen. Mussten brav um 10 Uhr abends wieder auf der Matte stehen! Das Youth Hostel ist irgendwie so schullandheimmäßig drauf und schließt um 22 Uhr die Pforten, um 0 Uhr sollte man im Bett sein. Schlimm!

Ansonsten herrschen hier wahrlich friedliche Zeiten. Friedenspark hier, Friedensmuseum da, Friedensdenkmal dort. Das Denkmal ist die einzige übrig geblieben Ruine samt Stahlskelett, die der Feuerball und die Druckwelle am 6.8.1945 nicht weggerafft haben. Stand 600 Meter vom Epizentrum entfernt, falls das jemanden interessiert. Das Museum nennt sich A-Bomb-Dome. Ich werde versuchen, die Wörter bombastisch und katastrophal möglichst nicht zu benutzen.

Hiroshima Peace Memorial

Hiroshima Peace Memorial

Man geht also durch eine Ausstellung und Dokumentation von der Planung der Atom-Bombe bis zu ihren Folgen. Bilder von Hiroshima vor und nach dem Einschlag. Ratzekahl! Ich kenne Bilder von der Zerstörung Berlins durch „normale“ Bomber, aber das ist was anderes. Da stand nix mehr. Ist erschreckend. Hat man alles mal im Geschichtsunterricht gelernt und auch die Bilder gesehen – bis auf die von den verkohlten Skeletten, verschmolzenen Knochen und so – aber wenn man die Videofilme sieht, die die Amis davon gemacht haben, wird einem schon anders. Verfehlt seine Wirkung sicher nicht. Hinter mir hat eine Dame geschluchzt, fand ich etwas übertrieben, aber ja, einen Kloß hat man schon im Hals. Und Gänsehaut.

Neben einer kleinen Waffenkunde für Nuklear-Einsteiger und der überaus interessanten Aufklärung übers Wettrüsten bis heute, beeindruckt noch eine Wand mit Briefen, die der Bürgermeister von Hiroshima seit 1954 jährlich an die Rüstungsstaaten schickt, um gegen Bomben-Tests zu protestieren. Naiv, aber beharrlich. Wir haben fast 3 Stunden in diesem Museum zugebracht. Es kostet übrigens nur 50 Yen (30 Cent) Eintritt, es soll nicht am Geld scheitern, dass die Welt das sieht. Gute Einstellung!

Nagasaki (ja, Lars, da war ich auch und wenn ich nach Hawaii komme, wird wohl auch Pearl Harbor eine Option sein!) wollte dagegen für ein bedeutend kleineres Museum 500 Yen! Dort geht es mehr um die Kirche, die es da wohl am meisten getroffen hat. Wusste nicht, dass Nagasaki so christlich eingestellt war und ist. Sie haben die Kirche wieder aufgebaut. Wie alles andere auch.

Insel Miyajima

Apropos Kirche, neben den Bomben-Ausflügen gab’s auch noch was anderes zu sehen. Das Schloss von Hiroshima zum Beispiel und das Torii vor der Insel Miyajima. Cool! Das Ding hab ich mal „radiert“ (hat was mit Kunst zu tun) als ich 13 war. War auf irgendeiner Karate-Zeitschrift. Und nu hab ich’s in echt gesehen 🙂 Ist so ein orangenes Shinto-Tor, das bei Ebbe im Schlamm steht, bei Flut im Wasser und vor sich hinmodert. Seit 600irgendwas wurde es bereits achtmal neu gebaut. Es sieht einfach nur klasse aus und darum ging’s mir.



Und nach 3 durchfrorenen Nächten (es hat ein wenig geschneit in Hiroshima) haben wir nun Kyoto erreicht und pennen bei Omi aufm Dachboden 😀 Der Oberhammer, ein echtes japanisches Zimmerchen, mit Matten aufm Boden und sonst nix. Gemütliches Wohnzimmer für alle – und das sind wir und die Omi, die kein Wort Englisch spricht. Huj, das ist ne Herausforderung! Ach ja, man verbeugt sich hier vor allem und jeden und für alles und jeden. Ist wirklich lustig. Der Schaffner im Zug zum Beispiel betritt das Abteil, verneigt sich vor der versammelten Fahrgastschaft und geht dann an die Arbeit: verbeugen, um die Karte bitten, abknipsen, zurückgeben, wieder verbeugen und irgendwas murmeln von „Arigato gaimazu“. Und wenn er das Abteil wieder verlässt dasselbe Spiel: Umdrehen zu den Mitreisenden, verneigen und raus aus der Tür. Zu schön.

So und mehr aus dem Land der aufgehenden Sonne gibt es dann bei Gelegenheit, Bilder folgen!

Arigato & Saiyonara
Claudi 🙂

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