Mit Lissabons Tram 28 zur Fado-Sängerin
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Ride Into The Sun

Mit Lissabons Tram 28 zur Fado-Sängerin

Kein Regen in Sicht, nicht mal eine Wolke auf Anstandsbesuch – Lissabon strahlt mit reinem Firmament und blendet mich und alle anderen mit seinen gekachelten Fassaden und Gehwegen und einem extrem hohen Sonnenstand. Aber irgendwas ist ja immer 😉 Nettes Städtchen an Fluss und Meer ist das hier. Sehr hügelig und regelrecht besessen stolz ist man auf seine altertümlichen Bahnen, die da hoch- und runtertuckern. Die berühmteste ist die 28, die mehr oder weniger die gesamte historische Altstadt durchquert.

Lissabon Fotos

Man hat mir dieses Mal nur für einen Tag eine Begleitung gestellt. Carmo ist mit mir also auf diese Tram gehüpft, in der gerade mal 15 Leute sitzen können und der Rest arg drängelt. Erste Station: Flohmarkt am Pantheon. Nepalesiche Klamotten gab es dort und einen – man ahnt es schon – spinnerten Künstler, der mal spontan eine Anti-Barbie-Installation mit blau gesprayten Barbiepuppen aufgestellt hatte. Spinnert, weil ichs nicht fotografieren durfte, dafür aber einen langen Vortrag über spontane und vergängliche Kunst von jenem Herrn anhören musste/durfte. Sowas geht auch vorbei.

Lissabons Straßenbahn 28

Lissabons Straßenbahn 28

Und wir sind weitergefahren auf den Hügel hoch, wo das Castelo de São Jorge trohnt bzw. seine verbliebenen Mauern eine Brüstung für die vielen Touris bieten, die von hier oben nach da unten Ausschau halten. Ich auch. Im Schatten alter Olivenbäume auf die roten Ziegeldächer von Lisboa gucken und den Blick schweifen lassen bis nach San Francisco! Oder der Imitation davon, die Lissabonner haben allen Ernstes eine Kopie meiner Lieblingsbrücke über den Tejo bauen lassen. Die führt geradewegs nach Rio. Auf der anderen Seite der nicht-mehr-Stadt steht nämlich noch eine Kopie, die vom christlichen Erlöser, allerdings etwas kleiner. Den Grund dafür kann man sich noch halbwegs zusammenreimen, denn Brasilien ist eine der einstigen Kolonien. Aber die Golden Gate? Müsste man mal nachwikien 😉

Da oben ist demnach eher Aussicht als Einsicht und daher begeben wir uns durch enge Gassen und Pflasterstraßen ein bisschen den Hügel hinab – in den Stadtteil von Alfama. Wie die meisten Wörter auf Al- in dieser Gegend weist auch dieses auf eine arabische Historie hin. Die Mauren haben hier im 12. Jahrhundert ein kleines Labyrinth aus Gassen und Wäscheleinen gebaut, alles schön verkachelt und meist weiß getüncht. Die berühmtesten Fado-Restaurants sind in diesem Stadtteil zu finden.

Fado-Sängerin Ana Moura

Fado-Sängerin Ana Moura

Ana Moura sang hier auch mal mittlerweile kommt sie kaum noch dazu, sie tourt lieber durch die Welt. Und singt beispielsweise mit Mick Jagger Stones-Songs im fado’schen Jammerstil. Ich hab eine CD von ihr geschenkt bekommen (mit Autogramm! :D), da ist das vielleicht sogar drauf. Ana Moura kam mit einem großen dicken Bodyguard, einer Managerin, die jünger und unerfahrener aussah als sie selbst und einer goldverspiegelten Sonnenbrille über das halbe Gesicht. So stellt man sich Starauftritte vor. Tatsächlich ist die Dame das in Portugal auch. Sie singt also Fado, und das als äußerst junger Mensch, bei denen Fado eher als was für alte Leute gilt. In Deutschland hat sie kürzlich auch vor ausverkauften Häusern geträllert, wer es selbst mal hören möchte, geht auf ihre Myspace-Seite (obwohl ich immer wieder vor dem Aufruf dieser Seiten warnen muss!).

Lissabons Torre de Belem

Lissabons Torre de Belem

Ich bin mit Carmo dann erst mal noch Pasteis essen gegangen – kleine Blätterteig-Pasteten mit Puddingcremefüllung – sowas von lecker! Die besten gibt es angeblich nur im Stadtteil Belém, aber ehrlich: ich hatte die auch im Hotel zum Frühstück und aus anderen Bäckereien – alle super! Mit der Stärkung geht es zum Turm von Belém, der seinerzeit als Festung mitten in das Tejodelta gesetzt wurde, um Piratenschiffe abzufangen. Heute steht er kaum noch im Wasser (der Tejo hat also Wasser verloren) und wehrt auch nichts mehr ab – nicht mal die Touristenscharen, die an, im und um ihn herum flanieren und fotografieren.

Nur ein paar hundert Meter weiter (in Turnschuhen super, mit schicken Pumps wie Carmos arg schmerzhaft zum Ende des Tages hin) besichtigt man dann noch das Seefahrerdenkmal mit Vasco da Gama und allen, die mal was mit der Seefahrerei und dem damit verbundenen Aufstieg der portugiesischen Nation zu einem weltumspannenden Kolonialstaat tun hatten. Groß ist es, das Schiff aus Beton. Man kann wohl auch hochfahren und aufs Pflaster des Vorplatzes schauen – dort gibt es eine hübsche Weltkarte mit sämtlichen Kolonien zu bestaunen. Wir konnten leider nicht mehr auffahren, da es schon zu spät war. Außerdem verlangten sämtliche Füße aller Anwesenden nach Tagesausklang und Ruhe. Entsprechend habe ich auf die Recherche im Nachtleben verzichtet – und bei noch immer hohen Sonnenstand die Tram zurück zum Hotel genommen.

Gute Nacht dann mal
Claudi

Ich reiste auf Einladung von Turismo de Lisboa

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