Wie ich in Ulaanbaatar die Tauben vor dem Gandan Kloster aufscheuchte
bereist am:
Skies of Mongolia

Wie ich in Ulaanbaatar die Tauben vor dem Gandan Kloster aufscheuchte

Ich habe heute ein T-Shirt gekauft auf dem steht in beeindruckender Kaligraphie „Willkommen im Reich des blauen Himmels“. Das Shirt ist grün, natürlich. Ich kaufte es, während der Rest der lustigen Truppe bereits auf dem Weg ins Kaschmirwunderland war. Dort ließen sie sich für deutsche Preise allerhand Kaschmirsachen verkaufen, deren modische Relevanz noch im Bus zum nächsten Laden in Frage gestellt wurde. Immerhin, wenn ich mein T-Shirt mal zu heiß wasche, muss ich nicht gleich 80 Euro beweinen 😉 Aber Kaschmir ist tatsächlich DAS Exportprodukt der Mongolei, das einen als Souvenir nicht das Wohnzimmer verdrecken würde (sonst baut man hier hauptsächlich Kohle und allerlei Bodenschätze ab).

Mongolei T-Shirt

Grenze Russland – Mongolei

Der blaue Himmel über der Mongolei stellte sich erst nach einigen Stunden Zugstehen ein. An der Grenze zwischen Erlian (China) und Zamyn Uud (Mongolei) regnete es sogar zeitweilig, obwohl wir unter einem überglücklichen, großen (Plastik-)Grenz-Regenbogen durchgefahren wurden. Bis Erlian war die Landschaft wenig spektakulär: endlose grüne Felder oder braches Land, kaum ein Haus, kurz vor der Grenze ein paar Jurten und Schafherden. Man hängt sich dennoch aus den Fenstern – das ist fernes Land, das gesehen werden will.

Jurten in der Steppe

Russlands Boomtown an der Grenze: Erlian

Erlian kam mir vor wie ein kleines, noch im Aufbau begriffenes, eher flaches Las Vegas. Voller Neubauten ohne Stil und Geschmack, mit griechischen Säulen vor der hohen Tür, Zwiebelkuppeln auf dem Eckhaus und in Bonbonfarben gestrichen, dazwischen der kommunistische Kastenstil. Man hält sich nicht lange auf, muss aber auf einer Stadtrundfahrt noch die Info über sich ergehen lassen: Hier wächst die Stadt mitten im Nirgendwo, denn die Nachbarn im Norden versprechen aussichtsreiche Handelsmöglichkeiten.

Erlian,Grenzstadt zur Mongolei

Mongolische Grenzstadt Zamyn Uud

In Zamyn Uud sieht‘s nicht ganz so nach dem großen Handel aus, der Platz hinter dem Bahnhof ist überschaubar umstanden von einem Minimarkt, einem Telefonhaus und Bank. Hier halten nur die Züge, die die chinesischen Wanderarbeiter und uns Touris nach Ulaanbaatar bringen. Bevor das passiert, wird aber erst einmal ein Ständchen gegeben – mit Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang, mongolische Empfangstradition für die Zarengold-Reisenden. Nach einem entspannten Sonnenuntergang mit Krimsekt per Speisewagen-View rollen wir los: durch die wilde Mongolei! Wild ist zunächst einmal die russische Bedienung. Sascha und Ludmila drehen auf bzw. den Gästen im Speisewagen einen Wodka nach dem nächsten an. Man wird später merken, was die Trinkkultur angeht, unterscheiden sich Mongolen und Russen nicht sonderlich. Dann geht es wieder in die Nacht hinaus, für mich zunächst aber zum ersten Duschen und einer Loriot-mäßigen Zusammenkunft mit Frau (Name geändert) Hosenheu, die da schon in der Kabine stand, für deren 15 minütige Nutzung ich mich vor ein paar Stunden eingeschrieben hatte.

Konzert mit Pferdekopfgeige

Zugfahrt in der Nostalgie-Kabine

Frisch geduscht macht man es sich im Speisewagen bequem und fachsimpelt über die Ähnlichkeit der (gerade nicht sichtbaren) Weite der Mongolei mit afrikanischer Savanne und ähnlichem. Schließlich verabschiedet man sich in die Nostalgiekabine und stellt den Wecker auf 5.00 Uhr, da soll der Zug nämlich durch die Wüste Gobi rollen.

Ich habe die Wüste verschlafen! Als der Wecker sich meldete, war die Gobi längst vorbeigeweht. Das „Desert“ wie der Bordfunk denglischte, war schon um 4:30 Uhr abserviert. Ich sah nur noch die Ausläufer der Geröll- und Staubwüste, was Gobi auf Mongolisch auch bedeutet. Dazwischen viel Gras, aber eben nicht die epischen Sanddünen mit Kamelkarawanen, wie man sie weiter westlich wohl hat. Es gibt sie, die sandigen Wellen der fünftgrößten Wüste unseres Planeten. Aber um die mit einem Wüstenschiff zu durchreisen, muss man an Spezialveranstalter gehen. Probiere auch irgendwann noch aus 😉

Vororte Ulaanbaatar

So, nun zieht also morgens um 6 die unendliche grüne Weite „Magnolias“ (wieder ein herzhafter Verhaspler vom denglischen Bordfunker, den wir in unserer Kabinen-Reihe bekichern). Mongolia jedenfalls zeigt uns brav das Klischee von Schafherden, Ziegen und Jurten. Als ich das zweite Mal aufwache, äh, vom Frühstück zurück in meine Kajüte schwanke, hat unser trunkenes Boot (Rimbaud-Anspielung, aber der war nie in der Mongolei) bereits die Vorstädte Ulaanbaatars erreicht. Weiße Jurten, Häuschen mit buntem Wellblechdächern, Zäune um Jurten und Häuser, Satellitenschüsseln, Müllberge, Autos, Laster – ein bisschen unaufgeräumt. Immerhin, über dem farbenfrohen Sammelsurium spannt sich das blaue Firmament – Willkommen im Reich des blauen Himmels!

Ulaanbaatar

Gadan Kloster

Der Empfang in der Hauptstadt Ulaanbaatar ist ein ganz warmer. Der kurze Sommer in der Mongolei ist trocken und warm, vermisse auch gar nicht die chinesische Luftfeuchtigkeit. In UB, wie es die Einheimischen gern abkürzen, begleitet uns Reiseführer Gerelt auf eine kurze Stadtrundfahrt. Wir sehen einen unermesslichen Bauboom. Eingerüstete Hochbauten so weit das Auge reicht, Kneipen und Restaurants in moderner Aufmachung und jede Menge Karaoke-Bars, die man ebenfalls nicht in der Mongolei vermutet hätte. Es gibt keinen wirklichen Stil. Nur hin und wieder lässt sich ein hübsches Gebäude erspähen, wie die buddhistischen Kloster zum Beispiel. Das größte in UB ist das Gandan.

Ulaanbaatar Gandan Kloster

Ulaanbaatar Gandan Kloster

Die Besucher füttern hier allerlei Federvieh und verursachen regelmäßigen Taubenaufflug. Man dreht geduldig die Gebetsmühlen. Im Haupttempel des Klosterkomplexes steht eine 26 Meter hohe, vergoldete Statue der Göttin Janraisig, die man allerdings nur gegen 10 Dollar Tip für die Mönche knipsen darf. In den diversen Tempeln und Schulgebäuden lernen heute an die 600 Schüler und Lamas. Um das Gandan zu besuchen, pilgern viele Mongolen nach UB. Dass viele nicht nur Buddhisten sind, sondern auch noch an den alten Schamanismus glauben, ist ganz normal. Sogar am Tempel selbst steht ein Schamanenbaum, um den man Himmelsbänder bindet und Wünsche ausspricht. Ich habe nach dem 5.00 Uhr-Wecken nur noch einen Wunsch: Schlafen! Aber die Tour geht weiter – für euch aber erst in ein paar Tagen – in die mongolische Schweiz!

bis später also!
Claudi

Vielen Dank an Lernidee für die Unterstützung dieser Recherchereise

Stichworte: , , ,