Wie ich unter Ufos über Neuseelands Vulkane schwebte
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Wie ich unter Ufos über Neuseelands Vulkane schwebte

An den Huka Falls, kurz vor Taupo, machen wirauf dem Weg zum Tongariro Nationalpark an diesem Tag den ersten Stopp. So wie alle anderen. Ganz ehrlich, nur den Stromschnellen des Waikato zugucken, ist nicht aufregend, und auch der kleine Wasserfall selbst ist nicht spektakulär. Was man dort machen muss: Eine Fahrt mit dem Boot, das sich in die Strudel treiben lässt und lustig dabei im Wasser wippt. Die Leute auf dem Ding sahen aus, als hätten sie Spaß. Oder haben die gewunken, weil sie Hilfe wollten?

Spaß in der Stromschnelle: Cruise the Huka Falls

Spaß in der Stromschnelle: Cruise the Huka Falls

Tongariro Nationalpark

Ab den Huka Falls sehen wir hin und wieder die Vulkane in der Ferne. Der Tongariro Nationalpark, im Süden des Lake Taupo, ist das Ziel des Nachmittags. Dazu müssen wir den größten See Neuseelands quasi ein halbes Mal umrunden. In Schlangenlinien geht es am See entlang, während die weiße Haube des Mt.Ruapehu immer mal die richtige Richtung bestätigt. Zwischen Nadelwäldern und von gelbem Ginster überwucherten Lavafeldern steuern wir auf das vulkanische Zentrum der Nordinsel zu.

Road zum Tongariro Nationalpark

Road zum Tongariro Nationalpark

Inselkarte NeuseelandÜber dem Tongariro schwebt eine Aschewolke, im August 2012 war ein Seitenkrater ausgebrochen. Mt. Doom (Ngauruhoe) daneben hat noch Schnee auf dem Dach. Ruapehu, der Dritte im Bunde, ist eine Skiregion und hat das ganze Jahr Schnee. Um 14 Uhr treffen wir an der Kreuzung zwischen Highway 47 und 48 ein. Ab hier geht es nach: oben! Nee, ich wandere auch dieses Mal nicht das Tongariro Crossing. Unsereins lässt sich fliegen!

Tongariro Crossing per Cessna

Die drei kleinen Maschinen stehen im Vorgarten eines noch kleineren Häuschens – ja, das ist Mountain Air und dies der Chateau Airport. Drinnen begrüßt uns ein Rouven, der zu meinem Leidwesen erst nach 10 Sätzen deutsch-deutscher Zwiesprache beim Notfall-Formularausfüllen gesteht, dass er alles verstanden hat. Schön, aber auch wenn er deutsch telefonieren kann, wie sollte er im Falle eines Absturzes meine Mutter noch benachrichtigen können?! Rouven ist unser Pilot – Top Gun Style 😉

Rouven - Top Gun-stylish, ready to take-off

Rouven – Top Gun-stylish, ready to take-off

Nachdem klar ist, wer im Notfall angerufen wird und von wem, wird ein jeder gewogen und für gut befunden. Dann stellt uns Rouven den Flieger und die Wolken vor. Letztere sind heute sehr fotogen – und gefährlich für Flugzeuge. Dabei sehen die so schön Ufo-mäßig aus. Wir hätten gestern kommen sollen, sagt Rouven. Wenn ich für diesen Spruch Geld nehmen würde… Wir fliegen einfach unter den Ufo-Wolken lang, schlägt er vor, und um die Fetzenwolken herum. Das nenne ich konstruktiv.

Bizarre Wolkenformationen über den Vulkanen

Bizarre Wolkenformationen über den Vulkanen

Ob jemand Flugangst habe oder bei zu viel Gewackel übel speien müsse, fragt er noch, dann hüpfen wir in die Cessna 172. Als überaus wichtige Rechercheurin darf ich vorne sitzen. Neben dem Piloten. Gurt an, Kopfhörer auf, Zündschlüssel umdrehen, achja, er habe das schon tausend Mal gemacht, hiermit ist die Sicherheitsinstruktion beendet. Wir rollen auf eine Wiese zu und knattern mit Getöse los. Ich liebe fliegen! In jeder Form. Wenn mir mal einer Flügel anmontiert… ich verspreche zu springen 😉

Ufo-Wolken am Heck

Ufo-Wolken am Heck, eigentlich heißen sie Lenticularis

Über den Wolken und Vulkanen Neuseelands

Wir kurven über die Lavafelder des ältesten Nationalparks Neuseelands, dem Staat geschenkt von einem Maori-Häuptling unter der Auflage, das Land niemals zu verkaufen oder großartig zu bebauen. Von oben zeigt sich anschaulich, wie die Lava in Strömen über das Gelände geflossen ist und erstarrte. Dichte Vegetation ist darauf gewachsen, denn Vulkanasche ist fruchtbar. Zwischen den Lavaflüssen plätschern kleine und große Bächlein dahin. Wir fliegen eine Rechtskurve, neben uns die Ufo-Wolke.

Pilot und Co-Pilot

Pilot und Co-Pilot

Darunter wird die Aschewolke über dem Tongariro sichtbar. Wir kommen relativ nah daran vorbei. Klar, durchfliegen wäre lebensgefährlich. Stattdessen umkurven wir den Tongariro, die Emerald Lakes (auf der Wanderstrecke beliebter Fotostopp) sind noch zugefroren und leuchten uns leider nicht smaragdgrün entgegen. Immerhin ist der Blaue See (heilig für die Maori) frei vom Eis, wie auch die Tama Kraterseen.

Ascht noch immer nach, Vulkan Tongariro

Ascht noch immer nach: Vulkan Tongariro

Tama Lake Kraterseeo

Tama Lake Kratersee

Gefrorene Kraterseen im Tongariro Nationalpark

Wir klettern höher, zur Spitze des Ngauruhoe, dessen kleiner Kratersee mit Schnee angefüllt in der Sonne glitzert. Der Unaussprechliche ging zuletzt 1975 in die Luft und hatte bis dahin eine explosive Regelmäßigkeit im 8-Jahre-Rhythmus an den Tag gelegt. Wir rechnen… das Ding ist überfällig! Man beäugt ihn daher etwas skeptisch und wünscht sich, dass der Ausbruch irgendwie fotogen in die andere Richtung gehen möge. Aber der Berg sitzt da, und tut nix.

Tongariro Crossing im Überflug

Filmkulissen rund um Ngauruhoe

Weiter drüben am Ruapehu sehen wir die Schneefelder und den Sessellift en miniature. „Am Parkplatz dort unten, da wurde für den Hobbit gedreht“, berichtet Rouven, der korrekterweise das Vorwissen voraussetzt, dass nicht nur die Silhouette des Ngauruhoe als Mt. Doom für die Herr der Ringe-Trilogie herhalten musste. Was für mich allerdings neu war: auch Avatar wurde hier zu einem kleinen Teil gedreht. Fantastische Welten halt.

Tongariro Crossing im Überflug

Tongariro Crossing im Überflug

Taupo City & Lake

Nach mehrfacher Umkreisung aller Vulkane und einem Blick auf die volle Breite Neuseelands – links die Pazifikküste, rechts die Tasmanische See und Mt. Taranaki, bringt uns Pilot Rouven wieder sicher auf den Rasen, leider. Die Ufos haben uns verschont, wir waren höher als eigentlich erlaubt und haben ein paar Hundert Fotos mehr im Kasten. Es bleibt nur ein Goodbye an Rouven und schon treten wir den langen Weg zurück zum Nordufer des Taupo in die gleichnamige Stadt an. Die ist um einiges lebendiger als Rotorua. An der Seeseite stapeln sich die Cafes, Pubs und Restaurants, von denen das Taste Cafe als Frühstücksplatz in der Sonne einen Flat White für den Start in den Tag ablieferte.

Maori Carvings - Relief eines großen Navigators

Maori Carvings – Relief eines großen Navigators

Maori Carvings via Lake Taupo Cruise

Wir machen eine kleine Schifffahrt über den See, der eigentlich ein Vulkankrater ist. Von einer durchnummerierten Bucht zur nächsten lassen wir uns von Kapitän Ed die Taupo-Geschichte erzählen. Nach 45 Minuten taucht es dann in der Mine Bay auf: das 10 Meter hohe Relief eines legendären Maori-Navigators. Es wurde in den späten 70er Jahren fertiggestellt. Das in den Fels gehauene Gesicht hat die typischen Tattoos der Polynesier und wird flankiert von steinernen Echsen, die laut Maorilegenden auch als die Wächter der See gelten. An „Land“ geht es hier nicht. Man guckt vom Boot aus auf die Steinschnitzkunst, während die Enten unten im türkisen Wasser paddeln und nach Muffins betteln. Die werden an diesem Cruise-Tag tatsächlich auch mehr wahrgenommen als das Relief. Kunst wird halt oft verkannt. Interessante Cruise, aber nicht spektakulär, Neuseeland kann besser!

Und damit geht es runter vom Dampfer und wieder ab ins Auto. Nächster Stopp: Wellington!

Infos:
Mountain Air-Rundflüge: 15 min = 115 NZD / 25 min = 175 NZD / 35 min = 220 NZD (Preise ab ab Chateau Airport, wer ab Taupo fliegt, zahlt mehr)
Taupo Cruise: 60 min = 44 NZD

Vielen Dank an Mountain Air and Chris Jolly für die Unterstützung dieser Recherche
Many thanks to Mountain Air and Chris Jolly for supporting this research

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