Neuseeland zum Riechen und Nase rümpfen
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Crawling From Hell

Neuseeland zum Riechen und Nase rümpfen

Das Navi schickt uns mal wieder auf diversen Umwegen durch die neuseeländische Schlamm-und-Schwefel-Pampa bis wir kurz vor Schließung am Wai-O-Tapu, dem selbsternannten thermalen Wonderland, ankommen.

auf dem Holzweg über den heißen See

In der stinkenden Hölle des Wai-O-Tapu

Eine Stunde vor Schließung des kleinen Parks bedeutet, im Stechschritt durch die Hölle zu marschieren. Von dampfenden Pfuhlen vorbei an schlammblubbernden Löchern zu gelben Fumarolen, die entsprechende Gerüche absondern. Die Sonne scheint auch irgendwie – die Hölle ist heiß! Wir rennen förmlich auf den größten der Seen zu, über einen Holzsteg, den wir kaum noch sehen, als wir drauf stehen. Um uns herum nebeln die Dampfschwaden des Champagne Pools.

Nase zu und druch am Wai-o-tapu

Der Wind bewegt das Schauspiel hin und wieder zu unseren Fotogunsten, denn am anderen Ufer haben sich orange Sedimente im 75 Grad heißen Wasser ein Heim gemacht, das dem dampfenden grünen See den Beinamen „Artists Palette“ einbrachte. Champagne Pool heißt er übrigens wegen der Kohlendioxidbläschen, die daraus aufsteigen. Warum höre ich eigentlich immer wieder auf Leute, die keine Kamera um den Hals tragen?! Der Ranger mag es gut meinen, aber sein Gescheuche und die guten Ratschläge erweisen sich als wenig hilfreich. Er meint, das bessere Uferstück zum Fotografieren ist auf der anderen Seite, weil da der Wind den Dampf wegpustet. Was er nicht bedenkt ist der Sonnenstand …

die Malerpalette des Wai-o-tapu

Jedenfalls ist diese Thermalquelle neben dem bunten Loch im Yellowstone Nationalpark eine der meist fotografierten der Welt. Zu Recht! Er ist wirklich hübsch anzusehen. Es gäbe noch ein paar nette kleine Sinterseen zu sehen, doch die erreichen wir auf unserer Runde nicht mehr. Der Ranger weist den Weg aus dem infernalischen Labyrinth. Man sollte für einen gemütlichen Spaziergang durch die Hölle mindestens zwei Stunden einplanen. Wir nehmen noch eine Nase voll Chemiebaukasten von Wai-O-Tapu und dampfen ab nach Rotorua.

die Malerpalette des Wai-o-tapu

Rotorua – die Thermalhauptstadt Neuseelands

Rotorua – Ich verbinde mit diesem Namen seit mehr als sechs Jahren vor allem zwei Vorurteile: Schwefelgeruch und Einheimischen-Shows. Vom Hören Sagen, denn dort war ich bis dato noch nicht. Gleich am Stadteingang werden auf Reklametafeln die Shows angepriesen. Haka tanzen sie hier – Männer und Frauen in Tattoo-Haut und Lederschürzen. Wie das aussieht, kenne ich schon. In ganz Polynesien gibt es solche Shows. Ich sah es auf Hawaii, ich sah es in Hanga Roa. Polynesische Hüften, die sich zu Ukuleleklampfen und Trommeltakt wiegen. Sie führen überall die Tänze der verschiedenen polynesischen Völker auf. Auf Hawaii gab es also auch Rapanui-Tänze und einen Haka zu bestaunen. Sicher, mit dem der All Blacks ist dieser Haka nicht zu vergleichen. Dennoch werde ich hier nicht noch zum Football gehen.

Keine Maori-Tanzshow in Rotorua

In Hawaii gibt es zur Darbietung ein Luau – im Erdofen geschmortes Spanferkel. In Neuseeland wird ebenfalls das Essen vergraben – aber eher in kleinen Portionen – sie nennen es Hangi. Auf all das habe ich bewusst verzichtet. Ich brauche nicht noch so eine Show. Ich habe mit William und Les einen viel authentischeren Vormittag verbracht, inklusive Erdofen-Essen. Trotzdem kann man mal einen Fuß nach Rotorua setzen. Nur nicht am Freitagabend. Da ist alles zu. Geschlossen halten sollte man auch die Nase, in dieser Stadt stinkt es höllisch! Schwefelgeruch steigt aus jedem Gulli – thermaler Untergrund. Heizungsprobleme hat man zumindest nicht. Und nein, man gewöhnt sich nicht wirklich an das Odeur.

Rotorua

Rotorua wie ausgestorben

Auf Erkundungstour nach etwas Essbaren (und am Ende ist es das Great Kiwi Grill & Restaurant, das uns gut abfüllt) sehen wir kaum einen Menschen auf der Straße, vielleicht alle in der Haka-Vorstellung. Es fallen diverse Fast-Food-Läden, Kebab-Stände, Souvenirläden und Outdoor-Ausstatter im Stadtbild auf. Die Rabatten sind schon frühlingshaft bepflanzt. Aber aufregend scheint es nicht zu sein, das Städtchen am See. Der allerdings soll toll sein – machen wir dann das nächste Mal 😉

Rotorua Princess Gate Hotel

Wir nächtigen im ältesten Hotel der Stadt, dem Princess Gate. Viktorianisch, weiß lackiertes Holz, Arkadengänge. In der Lobby mäandern die Blumenteppiche bis unter die Decke, auf dem Zimmer wird es mondän schlichter und die Tapete streift nur noch in dunklem Aubergine. Der Geruch der Stadt dringt durch die Tür. Dennoch schlafen wir fürstlich, vielleicht haben uns die faulen Eier auch betäubt 😀

Rotorua Princess Gate Hotel

Mehr Blubber in den Craters of the Moon

Einige Tage später wagen wir uns dann auch noch zu den Craters of the Moon. Wir hängen stundenlang von blubbernden Schlammlöchern rum, in der Hoffnung den Blub aufs Foto zu bekommen. Das Kraterfeld ist recht grün und flach. Mond stell ich mir anders vor. Dennoch, es dampft an diversen Ecken aus dem Boden, man läuft auf Holzstegen. Ich staune über wuchernde Moose und Flechten, die die Hitze und Mineralien zu mögen scheinen. Aber spektakulär ist dieses Feld im Vergleich zum Wai-O-Tapu dann doch nicht. Immerhin, hier gab es gar nicht erst einen Ranger, der falsche Fotorichtungen ausweisen konnte 😉

Craters of thr Moon

Und damit geht es weiter nach Süden…

bis in ein paar Tagen!
Claudi

Vielen Dank an Tourismus Neuseeland für die Unterstützung dieser Recherchereise
Many thanks to Tourism New Zealand for supporting this research

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