Wie ich trotz Hurtigruten nicht mehr bis Spitzbergen kam
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Leaving So Soon

Wie ich trotz Hurtigruten nicht mehr bis Spitzbergen kam

Nachdem man mich in der Osloer Jugendherberge um 23 Uhr nicht mehr an den PC gelassen hat, habe ich das Land verlassen! Na gut, es war nicht ganz so, aber ich bin trotzdem verfrüht abgereist. Und das kam so:

Hallo, ist da Spitzbergen?

Noch auf der „MS Nordkapp“ (die Bänke sind gar nicht mal unbequem) habe ich mich mit den Spitzbergenern in Verbindung gesetzt – per Telefon mit Las-Vegas-Effekt (schluckt Münzen ohne Ende und gibt nie wieder welche her!). Erst war das Sonderangebot (das sie mir im August selbst angeboten hatten) nicht mehr zu haben, weil Nebensaison. Dann hatten sie es doch. Da war ich schon völlig ausm Häuschen, dass es doch noch klappt. Hab das Eisbärenfell schon fast streicheln können… jap und dann meint die Dame auf Spitzbergen, sie müsse die Tickets ausdrucken und irgendwohin schicken. Nicht doch! Das hatten wir doch schon mal!

Norwegen Tromsö Hurtigrute MS Nordkapp

Eine neue Ticket-Affäre also. Und ich schlage mal wieder vor, die Dinger einfach zum Abflughafen zu schicken, eine andere Adresse kann ich ja grad nicht angeben. Was weiß ich, wo ich morgen in Alta oder Hammerfest unterkomme! Schlage noch die Tromsöer Touriinfo vor, denn da war ich 2 Stunden vorher beim Landgang mit den Omis und Opis schon mal gewesen. Antwort: kann sie nicht einfach so schicken, wenn da nix mit denen abgesprochen ist. Gut, dass ich das erfahre nachdem ich in Tromsö war und nun erst in 2 Tagen wieder dort sein werde! Die Info hat nun zum Glück auch zu. Ich klär das mit der Touriinfo dann später, sie soll halt schon mal losschicken. Dann war Funkstille, nehme an, ein Eisbär war über ein Kabel gestürzt.

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Die Spitze dieser Reise: Hammerfest

Nach einem weiteren famosen Abend, deutschen Frührentnern beim Kartenspielen und britisch/amerikanischen Spätrentner beim Sockenstricken und Fernglasskalieren zugucken, wurde ich am Donnerstag morgen um 6 Uhr in Hammerfest an Land gesetzt. Gleich neben dem Rund-um-die-Uhr-Shop die Touriinfo mit dem Sitz der „Königlichen Eisbärengesellschaft“. Hatte ich mir spektakulärer vorgestellt. Nicht mal ein ausgestopfter Eisbär war durchs Fenster zu sehen. Hätte ich Mitglied werden wollen (worüber ich tatsächlich mal nachgedacht hatte), hätte ich bis 10.30 Uhr dort warten müssen, dann hätte mich eine Dame, ich zitiere den Lonely Planet: „ohne blass oder rot zu werden, mit dem Knochen eines Walrosspenis zum adeligen Mitglied geschlagen“. Kostenpunkt: 150 NOK. Irgendwann anders dann mal.

Norwegen Hammerfest Hafen

In Breitengraden nach Süden

Statt adliger Erhebungen hab ich den nächsten Weg nach Alta angetreten, also wieder gen Süden. Von 70°N nach 69°N. Alta ist für zwei Dinge berühmt. Erstens: es hat weniger Niederschläge als die Sahara, wofür ich wenig Beweise finden konnte, denn es hat mindestens einmal geregnet in den zwei Tagen, die ich da war.

Zweitens: 6000 Jahre alte Steinritzungen mit Rentier, Elch & Co. Hab ich mir angeschaut. Wahre Steinzeit-Künstler waren da am Werk. Haben ihre Kritzeleien sogar noch rot ausgemalt! Ich fand den Park, den man drumrum angelegt hat, noch viel schöner. Liegt an einer Bucht des Altafjord. Sehr malerisch. Und weil’s ja da oben erst ein bisschen gekrümelt, aber noch nicht richtig geschneit hat, bin ich für eine Nacht sogar in eine Campinghütte gezogen. Hatte den ganzen Schuppen für mich alleine.

Norwegen Alta Friluftmuseum

Und da hab ich beschlossen, mal wieder richtig auszuschlafen, laut Busplan musste ich Freitag erst um 14 Uhr los, nach Tromsö. Dort habe ich übrigens auch endlich die Touriinfo erreicht, dass sie die Tickets für mich in Empfang nehmen.

Ein Ticket-Drama mit schrecklichem Ende

Habe beruhigt und etwas länger geschlafen, um dann am Freitag einen genaueren Blick auf den Busplan zu werfen: 14 Uhr fährt der Sonntagsbus! An allen anderen Tagen fährt der Bus um 10.45. Super! Die Touriinfo in Alta ist gut besetzt und kompetent, also macht mir die Dame Hoffnung, bis Samstag 14 Uhr (letzte Chance, die Tickets abzuholen, weil Sonntag der Flieger geht) in Tromsö zu sein. Um „fömmtin-fömmti-fömm“ = 15.55 Uhr geht der Schulbus nach Storslett (das im Reiseführer nicht erwähnt wird) und ab da geht’s Samstag morgens weiter nach Tromsö, um 11 wäre ich da. OK. Was mach ich 12 Stunden lang in Storslett? „Camping“ meint die Dame. Noch ne Hütte? Also gut, sie gibt mir Adressen und ich versuche in der Bibliothek der Stadt per kostenlosem Netz-Zugang etwas über die Unterkünfte in Erfahrung zu bringen. Danach hab ich meine Emails gecheckt. Neuigkeiten von Aud (wir sind mittlerweile beim Du) aus Spitzbergen: sie war einen Tag nicht im Büro, nun kann sie die Tickets nicht mehr rechtzeitig nach Tromsö schicken.

Ha det bra, Eisbären!

Zähneknirschen meinerseits. Ich solle mir selbst ein e-Ticket besorgen und hochfliegen, dann gibt sie mir sogar 30 Euro Übernachtungsrabatt! Toll! Ich checke die Flüge. 4000 NOK sind ein bisschen weit über meinem Limit. Ich seh noch die Eisbären auf einer Geldscheinscholle, wie sie am Horizont verschwinden. Das war’s!

Norwegen Alta Flughafen

Aus lauter Wut und Verzweiflung hab ich einen Flug ab Alta (Gott sei Dank gibt es in dem Kaff einen Flughafen!) nach Oslo gebucht, eine Übernachtung im Hostel ergattert und den Heimflug auch gleich umgebucht – muss nicht noch mehr Kohle in Oslo rauspfeffern als ich ohnehin schon getan habe, die Rechnung beläuft sich mittlerweile auf rund 2000 Euro. Und das ging alles innerhalb einer halben Stunde, online! Ohne, dass irgend jemand Tickets ausdrucken und versenden musste! Tja, was soll ich sagen. Irgendwann komm ich schon noch zu den Eisbären!

Learnings

Was lerne ich aus diesem 12-Tage-Trip?
1. Ich komme mit Spontan-Planung nicht klar! Ich sollte wieder zum guten alten minutiösen Planen zurückkehren und dann nur noch improvisieren, wenn es wirklich notwendig ist.
2. Norwegen ist zwar teuer, aber ein sehr leichtes und recht bequemes Reiseland. Und schön noch dazu 🙂
3. Ich werde zu alt für Hostels!
4. Spartouren sind am Ende weder billig noch bequem.
5. Muss wiederkommen und Mitglied im Eisbärenclub werden.

Hilsen & Hust
Claudi 🙂

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