Wie ich am Nabel der Welt beinahe die Nerven verlor
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Mysteria

Wie ich am Nabel der Welt beinahe die Nerven verlor

Hallo aus Rapa Nui!
Bin zwei Tage lang auf der Osterinsel rumgelaufen und herumgekutscht worden, nun kann ich euch Bilder zeigen :) Ist ein netter Herbsttag gewesen, mit ein paar Huschen und viel Sonnenschein… ach, wen interessiert das Wetter?!

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Das einzige, was man hier sehen will, sind die Steinstatuen, und von denen gibt es tatsächlich an jeder Ecke mindestens einen – und insgesamt 900! Unten im Hafen steht einer, und nicht weit von „unserer kleinen blauen Farm“ steht eine ganze Gruppe. Heilig heilig – es sind eigentlich Grabsteine. Die ganze Insel ist der reinste Friedhof! Moais wurden wohl als Wächter über die Toten aufgestellt, gucken immer landeinwärts und sind verdammt große Grabsteine. Man fragt sich, warum zum Teufel die 10 bis 20 Meter große Statuen „bauen“ mussten! So ein Aufwand… Laut Heyerdahl (klar war der hier) dauert es ungefähr ein Jahr, um zu sechst einen solchen Koloss aus dem Vulkangestein zu hauen.

Da waren wir freilich auch: an einem der Vulkane und im Krater drinnen auch. Moais wurden in den Kratern oder am Hang herausgehauen und bearbeitet bis sie irgendwann fertig waren zum Abtransport. Laut Heyerdahl mussten mehr als 200 Mann an so einem Brocken zerren, um ihn fortzuschaffen. Wie genau sie das angestellt haben, weiß mal wieder keiner richtig. Die ägyptische Methode scheint plausibel. Die Augen haben sie übrigens immer erst eingraviert bekommen, wenn sie an Ort und Stelle waren – sozusagen blind geboren.

Wir haben so eine Touri-Bus-Tour mitgemacht. Anstrengend, sowas. Zehnmal rein und raus aus dem Bus, der Fremdenführerin zuhören, alle ausströmen und sich gegenseitig im Bild stehen… am Nabel der Welt bin ich fast verrückt geworden. Habe brav gewartet bis jeder mal den Stein gestreichelt und sich dabei ablichten lassen hat und als schließlich alle weg waren und ich mein Foto machen wollte, rennt ein Teenie vom Hang runter und mitten rein! Bei so was geb ich auf. Kann nicht sein. 20.000 Touris pro Jahr und ich schaffe kein einsames Foto vom Nabel der Welt zu machen! Zumindest kein gutes.

Außer den Moais gibt es nicht so viel zu sehen. Unterwasser wäre noch was gewesen, aber das ging zeitlich nicht… der Stickstoff und so… Galapagos-Haie kommen angeblich bis hierher. Dafür haben wir jede Menge Hunde (und vermutlich deren Flöhe) aufgelesen. Die laufen hier in Horden durch die Straßen und machen es sich in den Straßenrestaurants bei der Kundschaft gemütlich. Nimmt hier keiner so krumm. Im Restaurant nebenan bedient ein schwuler Hippie in lila Cordhosen, Kopftuch und Rastalöckchen… Im Fenster hängen Malborogh Lights-10er-Packs an Perlenketten… Kreatives Volk hier!

Im Übrigen wissen wir bis heute nicht, wo wir eigentlich wohnen :D Am ersten Abend am Flughafen hat uns eine Dame ein Hostelzimmer angeboten. Sind einfach mitgefahren. Keine Hausnummer, kein Straßenschild – kein Warmwasser :( Wir nennen es „unsere kleine blaue Farm“, weil das Haus wirklich von Außen und Innen (binnen und buten – das ist für die Isländer, die meinen Deutsch zu können!) blau angestrichen ist. Ich mag sowas ja :)

Tja und nachdem wir nun sämtliche Eckpunkte des polynesischen Dreiecks (Neuseeland, Hawaii, Rapa Nui – sind alle verwandt) abgergrast haben, geht es morgen schon wieder (6 Stunden lang) zurück nach Santiago. Muss unbedingt eine Jacke kaufen für den Winter in Patagonien. Genießt euren armen Sommer, ich mach jetzt Winterurlaub!

Gruß
Claudi :)

p.s.: Ratet mal, was im Inselkino für ein Film läuft…. „Rapa Nui“! :D

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