Wie ich am Himmelstempel von Peking einen Inder traf
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Wie ich am Himmelstempel von Peking einen Inder traf

Peking riecht nach Swimmingpool. Peking ist vor allem ein verdammt großer Swimmingpool! Statt blauen Kacheln gibt es aber nur beigen Himmel zur schwül-heißen Luft, Sonnenbrille überflüssig. Autobahnringe umspannen die Stadt, innerhalb einer Stunde arbeiten wir uns durch den Dunst vor zum Zentrum und zum Hotel Capital. Es ist ein monströses Hotel für jede Menge Gäste. Man möchte von chinesischen Dimensionen sprechen! Genau der richtige Ausgangspunkt für eine Reise auf der längsten Zugstrecke der Welt!

Diese Dimensionen werde ich in den kommenden zwei Tagen voll zu spüren bekommen. In China sind Ferien und das gesamte Reich der Mitte macht Urlaub – am liebsten im eigenen Land (warum auch nicht, es ist groß genug für jede Menge Abwechslung). Natürlich strebt man auch der Hauptstadt zu. Die eine Hälfte der ausflügelnden Chinesen treffen wir nur wenige Stunden nach der Landung beim Spaziergang zum Himmelstempel. Endlich, den wollte ich ja schon vor 6 Jahren gesehen haben!

Himmelstempel von Peking

Das Areal im Süden Beijings ist immerhin groß genug, um richtig viele Besucher zu fassen. Auf 1,2 Kilometern Länge schreitet man den Prozessionsweg der alten Ming-Kaiser ab, wenn diese hier im Frühjahr für gute Ernten beteten und Tiere opferten. Als die Söhne des Himmels sprachen die Kaiser von einer dreistufigen Terrasse aus direkt zum Himmelsgott. Die clevere Konstruktion der simplen kreisrunden Plattform aus Marmor ermöglichte den akustischen Effekt der Verstärkung. Vom Herz des Himmels aus (also der Mitte des Kreises) sprach der Kaiser quasi direkt nach oben.

Das Herz des Himmels

Das Herz des Himmels

Da Yin-Yang-mäßig Himmel und Erde harmonieren müssen, stehen alle den Himmel repräsentierenden runden Gebäude (2 Hallen und die Terrasse) innerhalb eines rechteckigen, die Erde darstellenden Areals, die Terrasse ist sogar gesondert von einer eckigen Grundfläche umgeben. Himmlisch blaue Dachziegeln zeugen von den drei wichtigsten Göttern, alles Himmel, des Daoismus.

Am Himmelstempel in Peking

Chinas Kulturbegeisterte drängen sich in Gruppen mit Schirmen und Basecaps einheitlich wiederfindbar markiert den breiten Weg von einer Ernte-Halle zur anderen und knipsen einander und mit großen Westmännern die ganze Familie. Dass UV-Strahlen auch den Smog durchdringen, wissen die auf weiße Haut besonnenen Landsmänner ganz genau. Man schützt sich mit Schirmen, wo unsereins verzweifelt den Schweiß von der Stirn wischend sich fragt, wo der verdammte gelbe Idiot eigentlich ist, der da so die Luft zum Brennen bringt. Es wird ein Sport für die Pressetruppe, hübsche Schirme zu fotografieren und manchmal auch hübsche Gesichter darunter zu entdecken.

Frau mit Schirm

Ich entdecke ohne Schirm, aber kopfbedeckt einen Inder, der aus Kanada kommt und in China urlaubt. Er findet eine weiße Europäerin zwischen all den asiatischen Fotografenmännchen auch sehr komisch und es kommt zum gegenseitigen Ablichten. Konnte ihm sogar die Currywurst aufdrängen 😀

Inder am Himmelstempel

Rechts und links der Tempelanlage können die lange und langsam gelaufenen Beine ausruhen: eine Parkanlage mit uralten Zypressen und Wiesen sorgt für Kurzweil und die Chinesen selbst spielen hier im Schatten einiger Wandelgänge Karten oder Brettspiele. Hätte gern mitgemacht. Aber wir müssen ja weiter!

Kartenspieler

Buntes Treiben auch auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Mittlerweile bin ich regelrecht dankbar für meine eigene Idee vor 6 Jahren im kalten Februar dieses Kleinod an chinesischer Großstadt gesehen zu haben! Da war nämlich blauer Himmel und man konnte Onkel Mao von der Mitte des Platzes aus ganz genau auf dem Bild erkennen, das da am Nordtor hängt! Aber jetzt im Sommer:

Platz des himmlischen Friedens

Nein, den gewachsten Mann haben wir nicht geschaut. Aber wir waren in der Verbotenen Stadt. Zusammen mit der anderen Hälfte erholungssüchtiger Chinesen, die die Ferien mal eben in alten Gemäuern verbringen wollten. Ich kürze ab, denn abgesehen von einem deprimierend dunstigen Himmel (nach dem Aufstehen und dem ersten Blick aus dem 11. Stock dachte ich schon, es würde regnen!) und Tausenden Menschen, gab es vor allem Tore, Hallen, Säulengänge und noch mehr Tore mit gelben Ziegeln und Drachenköpfen und Opferkessel zu sehen.

Peking Verbotene Stadt

Verbotene Stadt - kaum fassbar in ihrer Größe

Wo der Kaiser zu Fuß hingeht, ist bestimmt nicht die verbotene Stadt, dafür wäre ein Segway angebracht! Natürlich ist hier auch wieder alles groß und großflächig, bis man zu des Kaisers Gemächern kommt, ist der schon vom nächsten abgelöst worden! Immer wieder muss man durch eine Torhalle einer bestimmten Harmoniestufe, dabei auf keinen Fall auf die Türschwelle treten, über die die bösen Geister nicht klettern können.

Peking Verbotene Stadt

Der Wassergraben hinter dem Eingangstor hält die bösen Geister fern.

Vor dem Theater des Kaisers, einem kleineren Hof, erzählt uns unser Guide Caiffa von der „Chinas Next Konkubine Wahl“ anno dazumal. Dabei konnte Caiffa uns sogar die Anzahl der Konkubinen pro Kaiser vorlesen – es gab Steigerungen!

Tourguide Caiffa

Tourguide Caiffa Wang sagt ''KungFu un Thai Chi halten jung!''

Sagen wir so, es müsste tausende und abertausende kaiserliche Nachfahren geben… Mehr über den letzten Kaiser von China, seine verbotene Stadt und vielleicht auch die Konkubinen lest ihr am besten beim Spezialisten. Ich war müde und mir war warm und Peking ist ein Swimmingpool ohne wirkliches Badewasser.

In den nächsten Tagen mehr zur Pekingente und rasanten Rikschafahrten durch Beijing!
bis dahin
Claudi

p.s. ich empfehle unbedingt die Lyrics zum Monty Python-Song zu studieren!

Vielen Dank an Lernidee für die Unterstützung dieser Recherchereise

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