Warum einige Rapanui ein Problem mit zu vielen Touristen haben
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Too Many People

Warum einige Rapanui ein Problem mit zu vielen Touristen haben

Morgens um halb zehn in Hanga Roa: Da geht man am besten nach dem FrĂŒhstĂŒck (mit leckerem Cherimoya-Saft) zur Post und holt sich rasch den Insel-Stempel in den Pass und schlendert dann 200 Meter die Straße rauf zum Handicraft Market und stöbert durch diverse Moai-Kopien in allen GrĂ¶ĂŸen und Materialien.

Passstempel mit Moais

Osterinsel-Souvenirs

SteinmĂ€nner in Holz, Onyx, Beton, Vulkanstein und Jute vom Ohrring ĂŒber den SchlĂŒsselanhĂ€nger und Pfefferstreuer bis hin zur meterhohen Statue. Man kann sich auch mit BatiktĂŒchern in Hibiskusoptik eindecken, Holzbretter mit Glyphen-Schnitzereien erstehen oder auch mit der T-Shirt-Dame am 5. Stand schwatzen. Die kann nĂ€mlich deutsch, weil sie mal in Tempelhof gelebt hat und es einfach nicht lange ohne ihre Insel ausgehalten hat. Die meisten Rapa Nui kommen letztlich wieder aufs Eiland zurĂŒck, wenn sie es ĂŒberhaupt je verlassen.

Hoteltipp: explora Hotels Rapa Nui & Atacama

Moais in allen GrĂ¶ĂŸen

Warum an Ostern auf der Osterinsel kein Nationalfeiertag ist

Außerdem bietet man hier Eier mit VogelmĂ€nnerbildern – wie passend in der Osterzeit, von der ich mir eigentlich mehr versprochen hatte. Ich meine, die Insel wurde immerhin als Osterinsel benannt, weil man sie an einem Ostertag fĂŒr die westliche Welt entdeckt hat. Theoretisch könnte man das feiern. Aber rein praktisch suche ich vergeblich nach der großen JubilĂ€umsparty. Die VerkĂ€uferin von Stand 5 bestĂ€tigt mir: Man feiert Ostern eher im christlichen Sinne mit Sonntagsgottesdienst und Schokoeier suchen. Aber mehr passiert nicht. Dass man Osterinsel heißt, sei kein Grund zu feiern. Man feiert die polynesische Herkunft mit dem Tapati, aber die Entdeckung durch einen HollĂ€nder ist kein Grund. Irgendwie kann ich es bei der Formulierung sogar nachvollziehen 😀

Rapanui Friedhof

Also, wir haben Karfreitag auf der Osterinsel keine Paraden gesehen und mĂŒssen am Sonntag schon wieder abfliegen. Aber dafĂŒr haben wir uns in der kleinen Inselhauptstadt umgesehen und sind die zwei Straßen rauf und runterflaniert. An der Hafenstraße zum Ahu Tahai gibt es einen sehr hĂŒbschen kleinen Friedhof. Kreuze und Grabsteine, aber mit polynesischen Ornamenten verziert und dazu ein Blick auf den blauen Ozean – es gibt schlimmere Blicke in die Ewigkeit.


Moai-Fotos in Schwarzweiß

Hochzeit mit Rapanui-Begleitung

Hochzeiten auf Polynesisch

Am Ahu haben wir ĂŒbrigens eine Hochzeit zweier EuropĂ€er mit Rapa Nui-Beiwerk beobachtet. Sehr amĂŒsant wie die blasse Braut sich vor dem fast Nackten im Federröckchen erschrocken hat! Wir schlĂŒrften derweil Schampus aus der „Ahnenbar“ wie Roberto die improvisierte LĂŒcke in der Lavasteinmauer nannte, die er mit Eis aufgefĂŒllt hatte.

Ahnenbar

Hanga Roa Hafen

Am Hafen haben sich mittlerweile richtig viele Tauchschulen angesiedelt. Die grĂ¶ĂŸte ist immer noch Mike Rapu (auch der Mitbesitzer des explora). Ja, auf der Osterinsel kann man tauchen, Mike hat dort vor zehn Jahren eine Moai-Statue versenkt, damit man was zu gucken hat! Ansonsten soll es interessante Höhlen geben. Schnorcheln geht natĂŒrlich auch, aber man darf keine großen KorallengĂ€rten erwarten – Rapa Nui ist vulkanischen Ursprungs. Die Einheimischen stehen selbst mehr aufs Surfen, obwohl die KĂŒste rund um die Insel eher schroff und felsig ist. Die Rapanui verkaufen sich gen als ein Volk Überlebender, in einem Video im Flieger hat einer gesagt „Wenn man einen Deutschen und einen Rapanui irgendwo aussetzt, ĂŒberlebt der Rapanui. Zur Not essen wir den anderen! “ Ja, die Kannibalen-GerĂŒchte halten sich hartnĂ€ckig.

Hafen von hanga roa

Jedenfalls werfen sich die Leute hier direkt im Hafen gegen die Wellen und man kann dem gern zugucken. Zum Beispiel aus dem Hakahonu, dem besten Restaurant an der Promenade, Sonnenuntergang inklusive. Bei tahitianischem Bier und Fish&Chips hat man einen tollen Blick auf den Ozean und den besten Fisch in Hanga Roa.

Tahitianisches Bier auf der Osterinsel

Kari kari – polynesische Folklore

Im Anschluss haben wir uns noch eine Tanzshow angesehen, die das Hotel empfohlen hat. Die Combo heißt Kari Kari und fĂŒhrt die traditionellen TĂ€nze der Insel vor. Ich könnte diese klimpernde Ukulele-Musik ewig hören. DĂŒrfte einer der wenigen Musikstile sein, der mir nicht nach 2 Stunden auf die Nerven gehen. Sehr relaxt. Und der Anblick der Jungs und MĂ€dels ist natĂŒrlich auch erwĂ€hnenswert: Federröckchen, Lederhöschen, BlĂ€tterkleider, MĂ€nner mit Reisig um die FĂŒĂŸe, Federn auf dem Kopf, BlĂŒten in den Haaren. Arme, die den Wellen nachwinken und Beine, die echt mĂ€nnlich aufstampfen… Die TĂ€nze erzĂ€hlen die Geschichte und Geschichten des Rapanui-Volkes. Wenn man jetzt noch polynesisch verstehen wĂŒrde… Es folgte eine verdammt teure Taxifahrt zurĂŒck ins Hotel (von dem auf der Insel kaum einer weiß, wo es liegt). Immer schön das Ukulele-Geklimper im Ohr behalten.

Kari kari

GesprÀch mit dem Hotel-Chef

Ich konnte am vorletzten Tag noch ein kleines GesprĂ€ch mit dem Landbesitzer des explora fĂŒhren. Auf Rapa Nui darf niemand Hotels oder HĂ€user bauen, wenn er nicht das Land besitzt. Und das Land besitzen die Rapa Nui. Der chilenische explora-Eigner musste also mit einem Rapanui einen Vertrag eingehen. Und somit ist Mike Rapu Besitzer des Hotels auf seinem Land. Er ist ein stolzer Mann seines Volkes, ein GeschĂ€ftsmensch und ein leidenschaftlicher (Apnoe)Taucher. Seine Frau ist UmweltschĂŒtzerin, daher achtet er im Hotel auf Nachhaltigkeit. Mike betrachtet das Hotel als einen Anfang fĂŒr wertvollen Tourismus auf der Insel. Man möchte mehr Touristen, aber lieber die, die Geld ausgeben als die, die in der billigsten HĂŒtte wohnen und sich Kekse im Supermarkt holen. Ich kann ihn etwas verstehen. Rapa Nui lĂ€uft Gefahr von den Touristen ĂŒberrannt zu werden. Hohe Hotelburgen wird es nie geben, aber trotzdem besteht die Möglichkeit, dass die Leute hier nicht unbedingt davon profitieren. Ja, Backpacker sind aufs Sparen bedacht. Aber ich denke, auch Backpacker geben fĂŒr die Freizeitoptionen reichlich Geld aus. Und soweit ich das beurteilen kann, saßen im Hakahonu durchaus ein paar Leute, die nicht mit einem Koffer reisen und Kekse hatten die auch nicht dabei.

Mike Rapu an seinem exlora Hotel

Nach fĂŒnf Tagen auf der kleinen Insel und all den SteinmĂ€nnern kann ich sagen: ich habe nicht genug gesehen! Ich möchte irgendwann alle diese Ahus im richtigen Licht sehen, vielleicht in der Abendsonne oder sogar bei Mondschein. Außerdem will ich den versenkten Moai im Hafenbecken mal sehen. Das heißt: Chile von Nord nach SĂŒd im Auto und unendlicher Zeitspanne, plus Osterinsel, bleiben auf der Löffelabgabeliste!

Osterhasen auf der Osterinsel

Und damit ein schönes Osterfest euch allen von den Reisehasen!
Maururu und Iorana Rapa Nui, wir kommen bestimmt wieder 😉

Vielen Dank an explora Hotels fĂŒr die UnterstĂŒtzung dieser Recherchereise

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