Wie ich in Riminis Hinterland schwarzes Schwein und Grubenkäse aß
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Crossing The Rubicon

Wie ich in Riminis Hinterland schwarzes Schwein und Grubenkäse aß

Bon Giorno ihr alle bzw. Hi Näd 😉

Ich habe erschreckend festgestellt, dass ich nichts über Italien in diesem Blog habe! Auch wenn es sich chronologisch so lesen mag, ich war nach Kärnten noch mal in Deutschland bevor ich wieder in eine Dolomiti-Klapperkiste gehüpft bin. Ich finde diese kleinen Maschinen immer lustig und angenehm. Halt weniger Menschen. In diesem Flieger in die Emilia-Romagna saß tatsächlich nur unsere Pressetruppe. Das erhöht die Servicefreundlichkeit!

Rimini – ein Klischee aus den 60ern

Aber scheinbar ist Rimini nicht so das Massenziel. War es mal, in den 60ern. Und dann haben die Italiener viele Lire fürs Baden an der Adria verlangt und die Deutschen sind lieber nach Spanien geflogen. Selber schuld. Heute grillen keine Teutonen am Strand von Rimini, sondern die Spaghettis selbst. Und ein paar Holländer. Ja, es gibt Campingplätze IN Rimini.

Provinz der Emilia-Romagna

Aber unsereins war nicht zum Baden geladen. Uns wollte man das unbekannte Rimini zeigen, und damit ein Stück der Emilia-Romagna. Konnte man bei mir nichts falsch machen: alles Unbekannten! Nur um sicher zu gehen, dass keiner der Teilnehmer etwas wiedererkennt, sind wir dann also nach hinter Rimini gefahren und haben gelernt: Rimini ist nicht nur eine Stadt, sondern auch Provinz. Und von der haben wir jede Menge gesehen.

Emilia-Romagna Olivenhain

Serpentinenfahrt zum Picknick

Zunächst sieht man die grünen Hügel der Emilia-Romagna, knorrige Olivenbäume in Raps- und Klatschmohnfeldern und die schönen italienischen Terracottaziegel. Man überquert den Rubikon und passiert die drei Hügelspitzen von San Marino. Nach diversen Serpentinen und „mir is schwindlig“-Rufen der Mitfahrerinnen erreicht man einen Gutshof in Gemmano, wo Tante Ornella bereitsteht und herzlich begrüßt. Picknickbänke, Decken und der Grill sind schon präpariert: Schwarzes Schwein steht auf dem Speiseplan.

Emilia-Rromagna Ornella grillt

Eine Delikatesse der Emilia-Romagna, denn dieses Zwischending zwischen Wildschwein und Hausschwein räubert nur hier durchs Unterholz. Rundrum ist das Unterholz maigrün gefärbt und vor allem mit Wein umrankt. Klischee, aber eben doch italienische Idylle. Das Schwein war übrigens vorzüglich. Ein echtes schwarzes haben wir dort leider nicht gesehen, aber das Hausschwein der Familie ist ein Hängebauch in weiß mit schwarzen Flecken. Ich hab den Namen vergessen, weil das Borstentier längst nicht so schöne Farben hatte wie der Ganter im Stall nebenan.

Emilia-Rromagna Schwarzes Schwein

Mondaino – das geteilte Dorf

Nach der Tier-Schau und Verkostung haben wir noch mehr Serpentinen hinter uns lassen müssen, noch mehr Leuten wurde leicht übel (ich versteh das nicht) und landeten bei Professore Charetti, der mit uns eine Verdauungsspaziergang durch Mondaino machte. Das ist das letzte Kaff der Rimineser Provinz, dahinter spricht man vom Reich der Marken. Und weil Italiener bei Gebietsaufteilungen nicht cleverer sind als Deutsche, haben sie die Grenze zwischen den Provinzen durch das Dorf Mondaino gezogen, das seit Jahrhunderten für alles zweierlei Ding hat: zwei Fußballvereine, zwei Schulen, zwei Rathäuser, und zwei Dialekte. Man streitet regelmäßig beim Palio um die Vorherrschaft der Stadtteile. Und eigentlich ist das alles nicht sooo ernst gemeint. Trotzdem sagt Professore, wir sollten die Grenze lieber nicht allein überschreiten, das sein wie ein Stargate! Und tut einen großen Schritt auf der Gasse übers Kopfsteinpflaster und ist im anderen Stadtteil 😀 Eine Gruppe anderer Touristen, die dort eine Weile gestanden hatten, sind nicht rüber und wieder umgedreht!


Fotos: Emilia-Romagna

Only in Emilia-Romagna: Grubenkäse!

Wir sind die Gasse aber tapfer bis zum Ende gelaufen, da wohnt der Professore nämlich. Gleich neben einer alten Mühle, in deren Keller er einerseits eine Dante-Bibliothek eingerichtet hat und andererseits für 4 Monate im Jahr ein eigenartiger Käse im Bodenloch eingemauert wird. Fermentierter Grubenkäse. Die Edelstufe davon fermentiert sogar zweimal! Wir durften dann auch mal kosten. Der Gestank ist schon aufdringlich, aber der Geschmack haut nicht unbedingt um. Streng, aber nicht besonders gut dabei, fand ich. Aber Professore war stolz wie Oskar, dass er uns diese Fermentierkunst in aller Gestikulationsmöglichkeit erläutern konnte.

Emilia-Romagna Mondaino Grubenkäseverkostung

Geschichtslektionen: Als Cäsar über den Rubikon schritt

Am Ende des Abends konnte wir dann nur noch ins Hotelbettchen fallen bzw. vorher noch einmal in einer Osteria diverse Gänge Antipasti, Bruschetta und Piadinas verkosten. Und dort gab es dann noch eine Gratisstunde in Lateinischer Geschichte – ob man will oder nicht (ein Besserwisser ist immer dabei und ich war’s nicht!)! Der Rubikon nämlich, den haben wir im Laufe des Tages nicht nur einmal wie Cäsar überschritten, sondern mit Sicherheit mehrfach. Oder gar nicht. Keiner weiß, wo der Fluss heute durch die Emilia-Romagna fließt, oder ob überhaupt noch. Es soll mehrfach verlegt und unbenannt worden sein. Wichtig ist nur: Als die Würfel fielen, is olle Cäsar nach Rom gelaufen und hat den Imperatortitel für immer und ewig für sich gefordert. Und der Rubikon steht heute noch im Geschichtsbuch. Und auf Weinflaschen. Nur wir doofen Kinder der Neuzeit haben sowas im Unterricht nicht mehr gelernt.

Ave Cäsar und gute Nacht ihr Freunde, Römer und Mitbürger!
Claudi

Diese Recherchereise wurde unterstützt von Tourismo Emilia-Romagna. Herzlichen Dank dafür!

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