Der Sound von San Francisco
bereist am:
San Francisco (be sure to wear some flowers in your hair)

Der Sound von San Francisco

Zu diesem Text gibt es eine Spotify-Playlist. Bitte einschalten. Wer kein Spotify hat, kann auf die vielen Links im Text klicken – jede Menge Youtube-Videos mit Muuhuusik!

When the lights go down in the city
and the sun shines on the bay
Oh, I want to be there, in my city
Lights – Journey 1978

Journey haben in ihrer Karriere einige sogenannte Power Balladen herausgebracht, ganz zu Schweigen von diesem „Glaub an dich Selbst“-Song, der seit 30 Jahren nicht aus der Mode kommt. Aber von ihrer Heimat haben sie nur einmal gesungen. In Lights besingt Steve Perry die einzig wahre City by the Bay: San Francisco. Obwohl der Name der Stadt nicht erwähnt wird. (und er ursprünglich über LA sein sollte!) Für mich ist Lights einer der schönsten Songs über San Francisco, der sich meiner Meinung nach ganz wunderbar in eine ganze Playlist voller zumeist Schmacht- und Harmonielieder reiht, die im Laufe der Jahrzehnte über diese fantastische Stadt geschrieben wurden.

Golden Gate Bridge

Früh morgens an der Bucht oder von der Golden Gate Bridge aus auf sie schauen und die Sonne aufgehen sehen, das hat schon etwas sehr Romantisches. Einmal bin ich schon über die orange Brücke gelaufen. Alle Meter ein Foto von der Bay, der Skyline, den Stahlseilen, den Brückenpfeilern…

Wenn man die 2,7 Kilometer einmal über die Brücke und wieder zurückgelaufen ist, kann man auch gleich noch die Piers und Fisherman’s Wharf ablaufen. Sittin on the Dock of the Bay fand Otis Redding schon 1967 ideal um etwas Zeit totzuschlagen. Neben Otis‘ Soul könnte man sich auch den recht beschwingten San Francisco Bay Blues genehmigen. Den hatte scheinbar fast jeder Musiker mal, Peter, Paul and Mary sagen ihn, Bob Dylan, Eric Clapton und Paul McCartney sangen ihn, Janis Joplin auch. Ich beobachtete ganz gechillt die Möwen und Seelöwen. Dazu vielleicht einen Crab Cioppino oder lieber Clam Chowder im Brot? Die stehen in San Francisco auf Krabben- und Muscheleintopf. Komischerweise hat den scheinbar noch niemand besungen.

Mit der Cable Car durch die Straßen von San Francisco

Dafür aber die Cable Car. Train zum Beispiel. In Save me, San Francisco bittet Sänger Patrick Monahan voller Heimweh um Errettung von einem Leben im Norden.

If I could wish upon a star
I would hitch a cable car
To the one place that I‘ll always call my home
Save me, San Francisco – Train

Mit der Powell-Hyde-Linie der Cable Car durchquert man die City einmal von Süd nach Nord, rattert die Berge (Nob Hill und Russian Hill) hoch und bremst sie wieder herunter. Ein Spaß für alle, die gut sitzen. Tony Bennett sehnte sich ebenfalls nach San Francisco und seiner Cable Car zurück:

I left my heart in San Francisco
High on a hill, it calls me
to be where little cable cars climb halfway to the Stars
Tony Bennett – I left my heart in San Francisco

Bennett war eingefleischter New Yorker und liebte San Francisco als Urlaubsdestination für den Winter. Udo Jürgens konnte San Francisco sogar besingen, ohne da gewesen zu sein.

Ich war noch niemals in New York,
Ich war noch niemals auf Hawaii,
Ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans…

Und, schon die Koffer gepackt? Ich kann es Udo leider nicht mehr sagen, aber ich ging in zerrissenen Jeans durch SF. So dolle ist das jetzt auch nicht 😉 Ich hatte sie mir zuvor beim Einsteigen ins Auto in Berkeley eher unfreiwillig zerfetzt und lief den Rest des Tages mit einer Jacke um die Hüften, um den Schnarz am Hintersten zu verdecken.

Haight-Ashbury – Ausgangspunkt des Summer of Love

Ich war 6 Jahre alt als Udo Jürgens von San Francisco schwärmte. Als der bekannteste und meist verkaufte San Francisco-Song herauskam, war an mich nicht mal zu denken und meine Eltern noch Teenager. Man merkt erst wie alt man geworden ist, wenn San Francisco den 50. Geburtstag seines Summer of Love verkündet. Tjaja, 1967 war das!

Der Sommer der Liebe begann im Januar mit einem Human Be-In (Sit-In für und mit Menschlichkeit), auf dem das kürzlich verbotene LSD reichlich verteilt wurde und der Aufruf sich mal gepflegt abzuschießen, auf willige Ohren traf. Da lebten die Grateful Dead schon in der Ashbury Street und auch Jefferson Airplane hatten schon ein bisschen Musik in San Francisco gemacht. Janis Joplin war noch kein Star, aber in der Haight Street längst ein Name.

Warme Nächte in S.F.?

Der Frühling vor dem Summer of Love muss ungewöhnlich warm gewesen sein, zumindest fanden das die Animals (aber die kommen ja auch aus englischen Regen-Gefilden) und besangen die warmen San Franciscan Nights. Für gewöhnlich ist es eher frisch in San Francisco. Der Nebel, der fast immer über der Bucht hängt, kommt ja nicht von ungefähr. Das Dröhnen der Nebelhörner an der Golden Gate Bridge ist schon eher der Sound, der die Nächte San Franciscos erfüllt. Warme Nächte hat man am ehesten in Castro. Auf jeden Fall war Eric Burdon warm ums Herz, denn er legt im Intro des Songs allen Europäern nahe:

… save up all your bread and fly trans love airways to San Francisco U.S.A., then maybe you’ll understand the song, it will be worth it, if not for the sake of this song but for the sake of your own peace of mind.
Eric Burdon & the Animals – San Franciscan Nights

Love, Peace, San Francisco

Love, Peace, San Francisco

Die Hymne der Flower Power

Im Mai 1967 schuf Papa John Phillips (von the Mamas & the Papas) DEN Image-Song für die Stadt der Blumenkinder. San Francisco (be sure to wear some flowers in your hair) schrieb er für seinem Kumpel Scott McKenzie, dessen Stimme wohl perfekt dafür war, eine Haschwolke zu intonieren. Mehr schwebende Harmonie und Friede, Freude, Eierkuchen geht eigentlich in keinen Song. Und doch lieben wir ihn alle!

For those who come to San Francisco
Summertime will be a love-in there
In the streets of San Francisco
Gentle people with flowers in their hair
San Francisco – Scott McKenzie

Ja, da möchte man doch sofort in einem flatternden Kleidchen über eine Wiese im Golden Gate Park schweben oder die Golden Gate Bridge entlang hüpfen! Dieser easy-peasy Weichspülgang nahm schnell mehr Fahrt auf, als man ihm zugestehen möchte: Er schnellte kurz nach seiner Veröffentlichung am 13. Mai in die Top-10 und holte Zehntausende Blumenkinder und Hippie-Jünger nach San Francisco, zum Monterey Pop Festival. Das erste große Flower-Power-Festival (übrigens 120 km von SF entfernt) im Juni ‘67 war der Höhepunkt des Summer of Love. Hier spielten Bands, die wir heute als Oldies kennen, die wir als Musiklegenden des Psychedelic Rock verehren – die die damalige Musikwelt um wegweisende Innovationen bereicherten, die heute noch in diversen Musikstilen existieren.

Von Subkultur zu Mainstream

Die Straßen von San Francisco waren überfüllt, vor allem der Hippie-Bezirk Haight-Ashbury, in dem heute nur noch ein paar bunte Hausfassaden und wenige Hippieläden an die 60er erinnern. Damals wie heute füllten vor allem Touristen die kreuzenden Straßen Haight und Ashbury. Künstler leben hier keine mehr, umso mehr Obdachlose trifft man an – viel zu teuer sind die hübschen viktorianischen Villen geworden. Im Oktober 1967 trug man den Hippie (eine Puppe) offiziell zu Grabe. Die Hippies hatten die Möchtegern-Hippies satt. Die Subkultur war zum Trend geworden. Sie zogen nach und nach in andere Bezirke der Stadt. Aber mit diesem einen Sommer hatten sie etwas bewirkt, eine Bewegung losgetreten…

Ich gehöre zur Musik-Generation der 80er. Mein absoluter Gute-Laune-San-Francisco-Hit kommt aber dann doch wieder von den Blumenkindern selbst: Jefferson Airplane, bzw. ihren Überbleibseln, die sich in den 80ern in Starship umbenannten. We built this city (on rock and roll) klingt vielleicht nicht mehr nach dem Summer of Love, aber er ist wie viele Songs aus den späten 60ern und 70ern ein Protestsong (in diesem Fall gegen die Musikindustrie) von gebürtigen San Franciscoern.

Someone’s always playing corporation games
Who cares they’re always changing corporation names
We just want to dance here someone stole the stage
They call us irresponsible write us off the page
Starshhip – We built this city

Claudi an der Brücke - 2006

Claudi an der Brücke – 2006

Den Vibe der Sechziger Jahre hat das heutige San Francisco nicht mehr. Aber es gibt über die Bezirke der Stadt verteilt jede Menge Clubs und Pubs, die Musik für jeden Geschmack bieten. Auch im Golden Gate Park werden gelegentlich Konzerte gegeben. Zum 50. Geburtstag des Summer of Love wird es in diesem Jahr auf den Tag genau am 16. Juni in Monterey wieder ein Pop Festival geben. Man kündigte an, den Summer of Love nicht wiederbeleben oder kopieren zu wollen, aber die Macht der Blumen ordentlich zu feiern. Na dann, holt das Batik-Kleidchen raus, klemmt euch eine Blume ins Knopfloch und Let’s go to San Francisco!

Disclaimer: Für eventuelle Schäden durch Ohrwürmer übernimmt die Autorin keine Verantwortung.

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