Im Micheline-Schienenbus durchs Hochland Madagaskars
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Im Micheline-Schienenbus durchs Hochland Madagaskars

Diesen Titel darf man wirklich nur in Zusammenhang mit Madagaskar verwenden. Obwohl es jetzt nicht um die tanzenden ├äffchen gehen soll. Nein, ich m├Âchte unbedingt auf die dem Menschen m├Âglichen Fortbewegungsformen auf einer reichlich unbekannten Insel eingehen. Das muss man schlie├člich wissen, bevor man die 11 Stunden Flug auf die viertgr├Â├čte Insel der Welt auf sich nimmt.

Lemuren-Fotos Madagaskar

Unterwegs auf der Holperspur

Die wichtigste Info zuerst: ohne Fahrer/Guide seid ihr aufgeschmissen, egal wie gut eure Fahrf├Ąhigkeiten sind. Mietwagen werden nicht mehr ohne Fahrer vergeben, denn die Stra├čen Madagaskars… sind nicht immer solche. Sagen wir mal so: tiefe Spurrinnen, Schlagl├Âcher von Kraterausma├čen und Schlammpf├╝tzen machen es nicht einfach voranzukommen. Als zweites muss man sich dessen bewusst sein, dass Madagaskar durchaus kontinentale Ausma├če hat und manche Strecke auf die Holperart arg lang dauert. Es gibt zum Ausgleich ein gutes Streckennetz der hiesigen Airline, die sogar Rabatte f├╝r Inlandsfl├╝ge gibt (wenn man sie auch auf der Langstrecke Deutschland ÔÇô Madagaskar gew├Ąhlt hat). So gelangt man also auch in den Westen zur Allee der Baobabs oder in den Norden zu den Tsingys.

Madagaskars Stra├čen: Schlagl├Âcher

Madagaskars Stra├čen: Schlagloch an Schlagloch

Im Korbstuhl des Schienenbusses

Unser einer weilte lediglich an der Ostk├╝ste, denn die bietet bereits ausreichend Programm. Eins davon die antiquierte, aber fahrbereite Micheline-Bahn. Eine Bahn, die auf Gummir├Ądern vom Hochland zur K├╝ste rattert bzw. h├╝pft. Der korrekterweise SchienenBUS folgt gr├Â├čtenteils einem Fluss durch Reisfelder und bananenbestandene H├Ąnge, durchquert 47 kleine D├Ârfer mit Stelzenh├Ąusern und bietet einen wirklich gr├╝nen Ausblick w├Ąhrend wir in Korbst├╝hlen l├╝mmeln, die in den Kurven ├╝bers Parkett schlittern. Immer mal wieder winkt ein Baum des Reisenden herein und die feuerroten Bl├╝ten des Tulpenbaumes blitzen kurz auf.

Per Schienenbus durch D├Ârfer im Hochland Madagaskars

Per Schienenbus durch die D├Ârfer im Hochland Madagaskars

Leben an der Schiene

Die Madagassen leben einfach bis ├Ąrmlich. Aber das Leben scheint keine Qual zu sein. An jedem Fluss oder Wasserloch sitzen Frauen und schrubben W├Ąsche. ├ťberall liegt bunte Kleidung zum Trocknen aus. Jedes Haus scheint einen Garten oder ein Reisfeld zu besitzen, H├╝hner rasen kreuz und quer. Bananen, Tomaten und Maniok verkaufen oder tauschen sie miteinander. Auch kleine K├╝chlein und gebratenes Fleisch oder Fisch wird vor dem eigenen Haus angeboten. Man scheint zu ├╝berleben.

Am Pangalanes-Kanal

Am Pangalanes-Kanal

Dorfbesuch am Pangalanes-Kanal

Auch wenn wir in einem Dorf erfahren, dass die meisten Kids mehr als diese Zukunft nicht erhoffen k├Ânnen. Die Grundschule schaffen nur 10 Prozent, von denen dann vielleicht einer auf eine Sekundarschule gehen wird, so die Eltern das Geld auftreiben. Universit├Ąt liegt ganz in weiter Ferne. Lehrer werden dringend gebraucht, genau wie ├ärzte, aber beide verdienen schlecht und sehen im Dorfleben keinen Anreiz.

Die Menschen am Meer und am Pangalanes-Kanal machen das Beste daraus. Die Alten verkaufen Ketten und Anh├Ąnger, vermieten Zimmer oder H├╝tten und die Kinder tanzen zu madagassischen Pop durchs Dorf, w├Ąhrend sich unsere Truppe den Weg zum Bootssteg bahnt. Per Boot holpern wir in den Sonnenuntergang zur n├Ąchsten Lodge und sp├Ąter sogar bis zur n├Ąchsten Stadt Tamatave.

Piroque auf dem Pangalanes-Kanal

Piroque auf dem Pangalanes-Kanal

Schifffahrt neben dem Meer

Der Kanal, auf dem wir schippern, wurde von den Kolonialherren parallel zum Ozean angelegt und verbindet viele Seen. Als Verkehrsweg f├╝r G├╝ter ist der Kanal um einiges seichter und ruhiger als der indische Ozean, teilweise nur ein paar hundert Meter nebenan. Wir lassen f├╝nf Stunden lang die immer gleiche Landschaft und die ein oder andere Piroque (Einbaum) an uns vor├╝berziehen bis wir bei Dunkelheit die zweitgr├Â├čte Stadt Madagaskars erreichen. Von dort aus holpert am n├Ąchsten Morgen sogar der Flieger. Er bringt uns nach Nosy Bohara, der Insel Sainte Marie, wo wir ein bisschen Piratenabenteuer und den ├╝blichen t├╝rkisblauen Badetourismus erleben werden!

Ich reiste auf Einladung des Office National du Tourisme de Madagascar. Vielen Dank & Merci!

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