Wie ich im Stuhl des Captains Platz nehmen durfte
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Fish Out Of Water

Wie ich im Stuhl des Captains Platz nehmen durfte

In Retrospektive geht es noch einmal an die Costa Blanca. Ich wollte wirklich schon seit Langem mal nach Valencia. Hauptsächlich wegen der Fallas (die im März stattfinden), aber auch wegen des größten Aquariums Europas in einem Fotografenherzen rührenden, architektonisch spektakulären Gelände – der Stadt der Wissenschaften und Künste. Gewünscht – getan! Dabei dem deutschen Winter noch ein Schnippchen schlagen zu können: grandios.

Valencia und das Chaos beginnt

Grandios beginnen meine Reisen ja grundsätzlich. Grandios chaotisch. Dieses Mal hab ich zum Auftakt gleich am Flughafen von Valencia das grüne Portemonnaie liegen lassen. Kurz zuvor hatte ich noch die TouristCard für drei Tage erstanden – damit kann man drei Tage kostenlos Bus und Bahn fahren und kommt ermäßigt in so viele Museen und Sehenswürdigkeiten, die man in einem Jahr nicht abklappern könnte! Immerhin für eine geldlose Fahrt in die City war somit gesorgt und dann bemerkt man den Verlust der Geldbörse auch erst nach der Verschnaufpause im Hotel. Nach Rumtelefonieren der Rezeptionistin, einer weiteren 30minütigen Fahrt zurück zum Aeroporto und einem rotgesichtigen Gespräch mit der Flughafenpolizei hat ich‘s wieder, vorheriger Inhalt inklusive! Kann sein, dass das der Auslöser für alle folgenden räumlichen und zeitlichen Desorientierungen war. Die kann aber auch am fehlenden Reiseführer gelegen haben (ich bin schuld, ich darf da drauf bis in alle Ewigkeit rumreiten!).


Fotos Valencia Stadt der Wissenschaft und Künste

Valencia TourisCard

Was TouristCards angeht: kann man sich sparen. Selbst wenn man sechs Tage für die Stadtbesichtigung eingeplant hat. Das packt kein Paar Füße! Wenn man die 20 Euro in drei Tagen amortisiert sehen möchte, muss man eine Menge mehr Geld in die rabattierten Angebote stecken. Der inkludierte Freifahrtsschein für Bus und Bahn jedenfalls entspricht 9 Euro und wäre auch als ein rein solcher erhältlich. Ist auch eine gute Investition. Darüber hinaus kann man sich ganz einfach nur mit offenem Mund an den hübschen Jugendstilfassaden, Kirchen, Kathedralen und Markthallen Valencias vorbeistaunen.

Valencia kostenlos

Für umsonst und draußen gibt es eigentlich etliches zu sehen. Neben dem bezahlpflichtigen kleinen Botanischen Garten wäre da der eintrittsfreie und viel größere Jardins del Real mit viel Grün, freifliegenden grünen Alexandersittichen und verschiedenen grünen Orangenbäumen, die auch im Winter (orange) Früchte und Blüten tragen. Um die Altstadt Valencias verläuft außerdem das trockengelegte Flussbett des Turia (der heute abseits der Stadt und jeglicher Hochwassergefahr fließt), in dem Fußballfelder, riesige Gummibäume, ein paar Wasserspiele und Fahrradwege angelegt wurden. Außerdem versteckt dieser grüne Gürtel das nette Zentrum von angrenzenden Stadtteilen mit wesentlich jüngerer und fantasielos gestalteter Bausubstanz.

Stadt der Wissenschaft und Künste

Wir haben dennoch in ein paar Besichtigungen investiert. Beispielsweise muss man recht ordentlich für den Besuch der Stadt der Wissenschaften und Künste löhnen. Die futuristischen Gebäude sind zwar auch von Außen recht ansehnlich, aber letztlich geht es ja um Inhalte. Bei all der Weitläufigkeit muss man sich das Riesengelände mit „Auge“, „Wirbelsäule“ und „Muschel“ und „Blüte“ auf mehrere Entdeckungstage aufteilen. Soweit ich weiß, sind die Gebäudebezeichnungen zum Großteil meiner persönlichen Assoziation entsprungen.

valencia Statd der Wissenschaft und Künste

Wissenschaftsmuseum im Hemisfèric

Das Auge nennt sich offiziell Hemisfèric und beherbergt ein IMAX-Kino, haben wir uns nicht aufgehalten. Die Wirbelsäule ist wohl eigentlich als Querschnitt eines Schneckengehäuses gedacht und überdacht vier Etagen wissenschaftliche Versuchs- und Informationsstationen und eine kleine Star-Trek-Ausstellung. Habe die Gelegenheit wahrgenommen und mich auf der nachgebauten Enterprise-Brücke auf das Sesselchen von Nr.1 gesetzt, den Chefsessel würde ich ja nie beanspruchen. Ansonsten kann man schon mal einen halben Tag beim Blutdruckmessen, Pendelbeobachten und Bestaunen von überdimensionalen DNA-Strängen totschlagen.

Auf dem Kapitänsstuhl

Das größte Aquarium der Welt

Im L’Oceanogràfic haben wir schließlich fast einen ganzen Tag zugebracht. Das größte Aquarium der Welt ist leider nicht das schönste. Abgesehen von einer ganz schlechten Kantine (das Unterwasserrestaurant hatte wie nicht anders zu erwarten zu), machen die zehn verschiedenen Wasserbecken und –welten keinen besonders gut gepflegten Eindruck. Angemalte Steinbrocken, die Korallen darstellen sollen, zwischen denen eher wenige Fische ihre Runden drehen. In der Antarktiswelt stehen hinter zugedunsteten Scheiben die Pinguine rum, einer davon ist schon nicht mehr ganz dicht. Der taucht wie ein Irrer auf und ab, wenn man ihm etwas am Fenster entgegenhält.

Valencia Aquarium Ananas

Die Belugas haben freundlich gegrinst, wenn man sie mal zu Gesicht bekommt. Der Schaufensterbereich ihres Beckens ist so schmal und mit Felsen verbaut. Delfine sieht man nur auf Zuzahlung – mehr als der Eintrittspreis fürs Gesamtprogramm – dafür dann aber mit Spring-und-Platsch-Show. Fand das Aquarium in Lissabon um einiges netter hergerichtet. Aber vielleicht lag es auch an der Nebensaison, da arbeiten die Pfleger in Valencia vermutlich nur Teilzeit. Man kann sich immerhin die Zeit ganz gut vertreiben mit der Suche nach Fischen und Schildkröten hinter Bikini-Bottoms berühmtester Ananas!

So, und von all dem Dingen, die es IN der Stadt gibt, berichte ich ein anderes Mal…
Bis die Tage 🙂

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