Wie ich das Wadi Rum durchkämmte
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Dust In The Wind

Wie ich das Wadi Rum durchkämmte

Die Höhepunkte meines Jordanientrips (obwohl ich das Canyoning und das Tote Meer schon irre fand) sind zweifelsohne Petra, Rum und das Rote Meer. Petra ist eine Stadt, Rum eine Wüste, die sich Ramm spricht, und nur dass es keine falschen Verwechslungen gibt: das Rote Meer ist blau. 😉

Felsenstadt Petra

Gestern habe die legendäre Indiana-Jones-Kulisse in der Felsenstadt Petra sehen dürfen, sogar bei Nacht. Wunderbar. Und echt schweißtreibend vor allem am Tage. Man kann sich glatt verlaufen, in einer der vielen Höhlen verstecken und Kamele reiten. Man kann stundenlang durch den Staub stapfen und die Felsen bewundern, in die die Nabatäer Gräber schürften, so groß und prunkvoll wie Tempel. Ich war so beeindruckt, dass ich einen extra Reisetipp dazu verfasst habe.

Jeeptour im Wadi Rum

Und weil wir nach dem Ausflug durch Petra dann doch ein bisschen platte Füße haben (und mein linker auch noch lahm von einer Blase aus dem Wasser-Wadi), werden wir heute durchs Wadi Rum mit Jeeps chauffiert. Ich schätze Lawrence von Arabien hat ähnlich viel Staub aufgewirbelt. Dieses Wüstental ist der Hammer! In einer Weite aus roten, weißen, gelben und schwarzen Sand hat jemand ein paar schwarze Kleckerburgen gesetzt.

Wadi Rum vom Nasgab Point aus

Wadi Rum vom Nasgab Point aus

Am Nasgab Point verschaffen wir uns den ersten Überblick über das Wadi direkt von der Straße aus, bevor wir uns in die Wüste und zum Visitor Center begeben. Dort gibt es eine kleine Ausstellung und einen Film über die Entstehung des Wadi Rum, Überblick über die verschiedenen Beduinenstämme, die hier lebten und leben und natürlich auch wie man sich hier als Tourist austoben kann. Ich bin ja nicht der Kletterer, aber die Aussicht von oben… achja, hab es vom Nasgab aus gesehen 😀

Filmlandschaft Wadi Rum: die Sieben Säulen der Weisheit

Von der Terrasse des Centers aus blicken wir unterm Sonnensegel auf legendäre Filmlandschaft. Schon wieder 😉 Kennt ihr die epochale Filmmusik von Lawrence von Arabien? Jetzt wäre der Moment sie mal abzuspielen. Wir blicken also auf die Sieben Säulen der Weisheit, eine Felsformation, die den Namen des Buches trägt, das T.E. Lawrence über sein Leben in Arabien schrieb. Eigentlich ist es ein Bibelzitat und Lawrence selbst hat die Felsen nicht so benannt. Das war dann doch ein findiger Jordanier, der nach dem Erscheinen des Lawrence-Filmes ein bisschen Filmset-Feeling schaffen wollte.

Jeep-Tour an den Sieben Säulen der Weisheit vorbei

Jeep-Tour an den Sieben Säulen der Weisheit vorbei

Die Luft flimmert, es ist ordentlich heiß als wir in die Jeeps springen. Die Sieben Säulen scheinen über dem Boden zu schweben, der aufgewühlte Sand hat sich um ihre Füße gelegt. Der Film Lawrence von Arabien verhalf dem Wadi Rum zu seiner Bekanntheit. Hier wurden viele Szenen des Films gedreht und wer den Film einmal kennt, will die orangene Wüste mit den bizarren Felsen unbedingt sehen. Der echte Lawrence hat hier Beduinenstämme zusammengetrommelt, um nach Aqaba zu ziehen und von den Osmanen zu befreien. Das machen wir morgen auch, also nach Aqaba fahren, befreien müssen wir es nicht 😀

Staubwolke im Wadi Rum

Staubwolke zu Füßen der Sieben Säulen im Wadi Rum

Bunter Sand und skurrile Felsen im Wadi Rum

Ich sehe keine Wege, aber offensichtlich wissen die Jeepfahrer hier genau, wo es durch das Wadi Rum geht. Während die Säulen am Horizont verschwinden, wechselt die Farbe des Sandes von Beige zu Rostrot. Von Holperpisten über Dünen steuern wir zwischen Felsformationen durch, die aussehen wie Aliens, Haiköpfe oder Leguane. Das Jeep-Hüpfen beflügelt scheinbar die Fantasie.

An einem Felsbogen machen wir halt. Wie eine Fatamorgana steht plötzlich ein Beduine in weißem Gewand auf der Felsbrücke. Und dann kommt die Verwandtschaft, Kinder mit Kamelen, die natürlich einen Ausritt anbieten wollen. Nein, nein, jetzt noch nicht. Wir holpern erst mal noch zu den Felszeichnungen, die zeigen, dass dieses Tal seit Jahrtausenden besiedelt ist.

Steinbrücke im Wadi Rum

Steinbrücke im Wadi Rum

Kamelausritt zum Sonnenuntergang in der Wüste Rum

Das Wadi Rum ist ungefähr 100 mal 60 Kilometer groß. Es bietet also durchaus Siedlungsfläche. In der Nähe der Siedlungen Disi erreichen wir unsere Unterkunft für die Nacht in der Wüste. Doch zuvor steige ich noch einmal auf ein Kamel und reite dem Sonnenuntergang entgegen.

Kamel Adrian niest mir noch die Beine nass, aber was soll’s. Mein 10 Jahre alter Kamelführer erzählt mir mit der Weisheit eines 100jährigen, dass diese weißen Kamele wie das des Nachbarreiters total faul sind. Angeblich stammen die helleren Tiere aus Saudi Arabien und sind schwach. Ein Beduine kauft also gemeinhin ein dunkles Tier. Und so schlurfen wir mit Adrian und den hellblonden Fauli durch die Dämmerung, umringt von Felsen und Camps an ihren Füßen.

Kamelauritt im Wadi Rum

Kamelauritt zum Sonnenuntergang

An einem Felsen steigen wir ab und ich sehe gerade noch wie die Sonne über dem Meer aus Staub und Sand verschwindet. Viel schöner als die Sonne selbst sind die ringsum rot gefärbten Felsen und der rosa strahlende Wüstensand. Und dann wird es kühl im Wadi Rum. Deshalb lassen die Kameljungs die Tiere jetzt auch ordentlich rennen – gut festhalten, denk ich noch, denn der Fall wäre doch recht hoch. Wir schwanken im Captain’s Camp ein, wo bereits das Lagerfeuer prasselt.

Sonnenuntergang Wadi Rum

Sonnenuntergang Wadi Rum

Arabischer Lagerfeuerabend vorm Ziegenhaarzelt

Das Camp liegt ebenfalls zu Füßen eines Felsen, an den sich die „Houses of Hair“, die Ziegenhaarzelte, reihen. Sie bilden einen langen Schlauch, die von einander abgetrennten Schlafkabinen sind durchnummeriert und verfügen über ein Bett, einen Beistelltisch, Moskitonetz, und einen Beistelltisch mit Kerze. Toiletten gibt es am Camp-Eingang und Buffet in einem gesonderten Zelt.

Ziegenhaarzelte im Captain's Camp Wadi Rum

Ziegenhaarzelte im Captain’s Camp Wadi Rum

Auf übrigen Platz sind bodennahe Beduinencouches aufgestellt worden, auf denen wir zum traditionellen Orientabend sitzen und dem Beduinenbarista zusehen, wie er in einem silbernen Metallkessel über den Lagerfeuer einen kräftigen Kaffee zubereitet. Der Mann an der Kanne zieht immer mal an seiner Shisha und singt sogar ein paar arabische Lieder. Die Lawrence von Arabien-Musik bommpert durch meinen Kopf. Das viele Kardamom im Kaffee ist nicht so meins und eigentlich sollte man das mit dem Koffein am Abend eh lassen. Gemütlich ist es aber schon am warmen Feuer.

Arabischer Abend im Captain's Camp

Arabischer Abend im Captain’s Camp

Und dann tritt in alle Beschaulichkeit und Orient-Romantik eine spanische Reisegruppe, wie die Pauke in Michael Jarres Overture zum Lawrencefilm. Am Lagerfeuer werden schließlich spanische Volkslieder angestimmt, die bis 2 Uhr morgens durch die Wüste schallen. Fremdschämen für andere Touristen ist mir neu, ich ertrag es mürrisch unterm Moskitonetz im Ziegenhaarzelt. Zum Frühstück werde ich einen richtigen Kaffee benötigen.

Gute Nacht und bis morgen 😉
Claudi


Ich reiste auf Einladung des Jordan Tourism Board. Herzlichen Dank dafür!

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